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Full text of "1805 [i.e. Achtzehnhundertundfünf] der Feldzug von Ulm"

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BEILAGEN 



ZU 



1805 



DER FELDZUG VON 

ULM 



VON 

ALFRED KRAUSS 

K. U. K. GENERALMAJOR 



WIEN 1912 

VERLAG VON L. W. SEIDEL & SOHN, K. U. K. HOFBUCHHÄNDLER 
I, ORABEN 13 



x 




Beilage 1. 

Zu Seite 11. 



Erzherzog Karl an Kaiser Franz. 

Wien, am 3. März 1804. 

Euer Majestät geruhten, mein Gutachten über den Inhalt des 
russischen Memoires und der Gegenbemerkungen der geheimen Hof- 
und Staatskanzlei abzuverlangen. 

Das russische Kabinett glaubt. Europa überhaupt und Öster- 
reich zunächst sei von Frankreich bedroht. Der Geist des französi- 
schen Gouvernements und Bonapartes setze dies außer Zweifel; nur 
die Vereinigung beider Kaiserhöfe könne dem Ehrgeize dieses Mannes 
Schranken setzen . 

Die Verbindung sollte dahin gehen, daß, wenn Frankreich ent- 
weder sur la cöte opposee de l'Adriatique landete oder in Holstein 
einfiele, beide Kaiserhöfe sich als die Mitangegriffenen betrachten 
würden. 

Rußland würde dann augenblicklich 90.000 Mann agiren lassen ; 
welche durch eine Reserve von bO.000 Mann unterstützt sein würden. 

Die russische Macht sollte den Feind im Norden beschäftigen 
uud ihm zugleich eine Diversion von der Seite von Griechenland 
machen; dadurch würde die Verteidigung der österreichischen Erb- 
lande sehr erleichtert werden: überdem würde ein Korps von 30.000 
Russen mit den Österreichern vereint in Italien agieren. 

Um das Ansehen zu vermeiden, als wolle man sich in den 
Krieg zwischen Frankreich und England mengen, würde man in 
Paris eine Negotiation eröffnen und auf die Unabhängigkeit jener 
Staaten dringen, deren Neutralität Frankreich friedensschlußmäßig 
anerkannt hätte. Mehrere deutsche und italienische Fürsten würden 
zu einer gemeinsamen bewaffneten Neutralität eingeladen werden. 
Auf diese Art könnte Bonaparte nicht allein abgeschreckt werden, 
noch weiter um sich zu greifen, sondern man könnte ihn auch ver- 

Krauss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 1). ä 



— 2 — 

mögen, mit England Frieden zu schließen und in jene Grenzen zu- 
rückzutreten, die man ihm anweisen würde. 

Wenn es zum Kriege käme, so sollte der König von Sardinien 
restituiert und selbst verstärkt, der Großherzog würde eingesetzt 
werden, Österreich aber eine bessere Grenze in Italien und Salzburg 
erhalten. 

Die geheime Hof- und Staatskanzlei bemerkte ganz richtig, daß 
der im Anfang aufzustellende Casus foederis in der Folge über- 
schritten werden sollte. Anfangs sollte man den Fall des Bundes 
und des zu beginnenden Krieges dahin beschränken, wenn Bonaparte 
über die jetzigen Grenzen (den jetzigen Status quo) hinausgehen 
würde. Bei der in Paris zu eröffnenden Negotiation sollte man Frank- 
reich in die Grenzen des Luneviller Friedens zurückweisen; dann 
sollte ein zweiter, anfangs nicht prononzierter Casus foederis eintreten. 

Mit Recht rügt die geheime Hof- und Staatskanzlei manches 
an diesem russischen Plane. Ihre Tendenz geht dahin, auf den 
Frieden mit Frankreich sei nie mit ganz befriedigender Sicherheit 
zu rechnen; im Falle eines Bruches sei es doch besser, auf Rußlands 
Hilfe zählen zu können, als allein dem Ungewitter ausgesetzt zu sein. 
Nur müsse dahin getrachtet werden, daß Österreich im Falle eines 
Bruches nicht gleichsam auf die Vorposten vorgedrückt würde ; man 
müsse daher mit vereinten Kräften gleich anfangs gegen den Feind 
drängen, denselben über den Rhein zurückwerfen und einen großen 
Teil der durch Mantua nur schwach geschützten Lombardei nehmen. 

Die Bedingnisse sollten sein : die Adda-Grenze und der Besitz 
von Salzburg für Österreich (weiter wolle man nicht gehen), die 
Übertragung der belgischen und lombardischen Schulden auf die Be- 
sitzer dieser Länder. In betreff des Königs von Sardinien willige 
man in Rußlands Forderungen; vorderhand sollte nur auf Er- 
neuerung der Allianz zwischen beiden Kaiserhöfen angetragen werden: 
zugleich müsse man Rußland in einem Memoires detaille et raisonne 
vorstellen, wie sehr der russische Operationsplan Österreich der Ge- 
fahr aussetze, zu schnell, ehe Rußlands Hilfe herbeikäme, durch eine 
überlegene Macht zu einem schnellen Frieden gezwungen zu werden, 
wodurch es dann außer stand gesetzt wäre, seine Alliierten zu unter- 
stützen. Rußland müsse sich daher nicht auf Diversionen einlassen, 
sondern nach einem gemeinschaftlichen Operationsplan unmittelbar 
tätig auf dem Kriegsschauplatze handeln. Rußland würde sich hiezu 
ohne Zweifel herbeilassen. An den ernsten Gesinnungen Rußlands 



sei gar nicht zu zweifeln, da es seine ganze disponible Macht an- 
biete: man könne hoffen, dem Feinde eine hinlängliche Macht ent- 
gegenzusetzen, iüdem Kußland mit 200.0UO Manu, Österreich mit 
ebensoviel agiere und zugleich Eogland mit einer beträchtlichen Land- 
macht die des Feindes beschäftigen werde. 

Es lasse sich nicht bestimmt vorsehen, was die erwähnten Auf- 
klärungen in Kußland für einen Erfolg haben werden, indessen 
müsse man, um auch von österreichischer Seite dem russischen Hofe 
einen Beweis der aufrichtigen Gesinnung zu geben, dem Grafen 
Stadion ein Pleinpouvoir zu eben der Zeit zusenden, als man ihm 
die erwähnten Aufschlüsse (Modifikationen) für den russischen Hof 
Übermächte: diese Modifikationen forderten ohnehin noch längere Zeit 
zur reiferen Würdigung. 

Ich halte mich verpflichtet, meine Ansichten über diesen Gegen- 
stand Euer Majestät in ihrem ganzen Umfange, und zwar um so 
schneller zu eröffnen, als ich überzeugt bin, daß nicht der Glanz, 
nicht die Größe, sondern die Existenz der Monarchie von dem Ent- 
schlüsse abhängen könne, welchen Euer Majestät in diesem hoch- 
delikaten und weitaussehenden Falle ergreifen werden. 

1. Zuerst stelle ich Euer Majestät die Schwierigkeiten so- 
wohl der Offensive als Defensive gegen Frankreich unter den der- 
maligen Umständen in militärischer Hinsicht dar. Zu dieser Dar- 
stellung fordert mich die mir von Euer Majestät anvertraute Militär- 
administration auf. 

2. Zunächst au dieses schließt sich die Frage an: was von 
fremder Unterstützung zu hoffen sei? und wenn dies auch in dem 
beabsichtigten Maße erfolgt und fortgesetzt würde, was davon für 
die österreichischen Waffen für Vorteile sich erwarten lassen? 

3. Was für Folgen für die Finanzen aus einem Krieg ent- 
springen würden ? sowohl während als nach einem Kriege, gehört 
zwar unmittelbar in die Sphäre der Finauzadministration ; aber auch 
der Kriegsminister, wenn er über die Möglichkeit und den- Erfolg 
militärischer Operationen sich erklären will, muß wenigstens über 
den Umfang der nötigen Geldressourcen sich äußern. 

4. Was der Krieg, selbst wenn er gegen alle möglichen Er- 
wartungen mit Glück geendigt würde, auf die innere Kraft der Mon- 
archie und auf das Verhältnis gegen andere Staaten für einen Ein- 
fluß haben würde und müßte, verdient dann noch eine besondere 
Betrachtung. 



4 



I. 




Wenn man die beiderseitigen Kräfte Frankreichs und Öster- 
reichs gegeneinander erwägt, so zeigt sich auf der einen Seite eine 
Population von beinahe 25 Millionen Menschen in den österreichi- 
schen Staaten, wovon aber die Hälfte in d^r Anwendung durch die 
verschiedenen Konstitutionen außerordentlich gelähmt ist. 

Die konskribierten Erblande zählten nach der letzten Kon- 
skription 13.153.000 Seelen: 8V2 — 9 Millionen sind auf Ungarn und 
Siebenbürgen zu rechnen. 

Wie schwierig sich die ungarische Nation zeigt, zur Ver- 
teidigung der Monarchie kräftig beizutragen, hat sich auf dem letzten 
Landtage dargetan. In den venetianischen Provinzen ist noch die 
Konskription nicht organisiert: Tirol unterliegt ihr vermöge seiner 
Verfassung nicht. 

Dagegen gebietet Frankreich unumschränkt über eine Population 
von 40 Millionen Menschen. Die Population des alten Frankreich 
(1790) muß wenigstens zu 25 Millionen angenommen werden (vor 
der Revolution wurde sie auf 26 Millionen geschätzt). Die Erobe- 
rungen vor dem Ausbruche des zweiten österreichisch-französischen 
Krieges (1799) betragen über 4V 2 Millionen Seelen. Seitdem kam 
dazu Piemont und die Insel Elba mit wenigstens 2 Millionen. Dazu 
muß man rechnen die italienische Republik mit wenigstens 3'/ 2 Mil- 
lionen, die ligurische mit 590.000, die parmesanische mit 330.000, 
Hetrurien mit 1 Million, Helvetien mit ungefähr 1,7L0.000, Batavien 
mit 1,900.000 Seeleu nach Abzug dessen, was Frankreich okkupiert 
hat: denn unstreitig gebietet Bonaparte über die Population der 
Filialrepubliken und Hetruriens ebenso unumschränkt als über die 
französische. 

Über diese ganze Menschenmasse gebietet ein eisernes Kon- 
skriptionsgesetz, welches keine Rücksicht auf Stände und Verhält- 
nisse nimmt und keine Exemptionen kennt, ein System, welches in 
dem Umfange Euer Majestät in Allerhöchstdero Staaten nie ein- 
führen werden. Dabei ist zu erwägen, daß gerade in den neuen 
französischen Akqnisitionen sowie in den von Frankreich unbedingt 
abhängigen Staaten die wehrhafte Population in den letzten Dezennien 
außerordentlich geschont wurde. Wenigstens gilt dies gewiß vom 
linken Rhein-Ufer, von Hetrurien, von der cisalpinischen und bata- 
vischen Republik. 



Hingegen hat die anwendbare Mannschaft in den österreichi- 
schen Erblinden durch die zwölf Kriegsjahre so außerordentlich ge- 
litten, daß in der Konskription von 1803 in den gesamten kon- 
skribierten Erblanden nur 83.159 zum Feuergewehr Anwendbare 
konskribiert wurden. Die Augmentation der Truppen auf den Kriegsfuß 
machte augenblicklich, ohne die ungarischen und Grenzregimenter 
und ohne das Fuhrwesen, eine Aushebung von 108.598 Köpfen not- 
wendig. 

Aus diesem folgt: 

a) Daß jetzt die vorhandene Zahl der Anwendbaren nicht 
einmal hinreiche, um für den ersten Augenblick die Armee auf 
den Kriegsfuß zu setzen; was würde erst erfolgen nach der ersten 
Schlacht, wo jeder Mann, der verloren geht, nicht mehr ersetzt 
werden kann ? 

b) Noch jetzt herrschen in manchen Provinzen Klagen über 
Mangel an arbeitenden Händen ; wenn nun auf einmal 100.000 Re- 
kruten und noch dazu die große Masse Beurlaubter den Provinzial- 
arbeiten entzogen würden, so wären die nachteiligen Folgen auf 
Landwirtschaft und Manufakturen gar nicht zu berechnen. 

c) Die Militärgrenze blutet noch immer an den Wunden, welche 
die lange Abwesenheit der Männer von ihrer Wirtschaft ihr sehlug. 
Ein neuer Krieg würde das Unglück dieser Provinzen ganz unheilbar 
machen. Mit einem Worte: Frankreich würde weit leichter eine halbe 
Million Krieger agieren lassen, als Österreich unter den jetzigen Ver- 
hältnissen nur 200.000. 

Mit der Parallele der physischen Kräfte beider Staaten in 
Hinsicht der Population, welche beiden Teilen zu Gebote steht, ist 
die Vergleichung der augenblicklich disponiblen Macht beider 
Staaten in Verbindung zu setzen. 

Schon im verflossenen Jahre hatte Frankreich an Infanterie: 

73 Halbbrigaden Linieninfanterie ä 3 Bataillone 

36 „ „ a 2 „ 

23 „ leichte Infanterie ä 3 „ 

• n n n a " " 

Seitdem wurden neu errichtet: 

in Piemont 1 Halbbrigade Infanterie ä 3 „ 

„ Belgien 1 „ „ ^ J _ 11 . . a 4 _^_ 

Summe an regulärer Infanterie... 38t Bataillone 






— 6 — 

Wenn nun die italienische Republik nicht 

mehr stellte als 18 Bataillone 

die helvetische nur 12 „ 

und die batavische nur 10 „ 

in welchem Falle letztere noch 11 Bataillone zum 
Schutze des Innern behielte, so beliefe sich die 

französische Kriegsmacht auf 421 „ 

an Infanterie, vorausgesetzt, daß Frankreich von Hetrurien, von 
Genua und Lucca keine Truppen ausheben oder erpressen wollte. 

Die Bataillone sind ungefähr von gleicher Stärke wie die öster- 
reichischen. 

Die aus 78 Regimentern bestehende französische Kavallerie 
wird ungefähr zu gleicher Stärke mit 35 österreichischen stärkeren 
Regimentern angenommen. 

Die kaiserliche königliche Armee besteht dagegen aus: 
61 Linieninfanterieregimentern zu 3 Bataillonen . . 183 Bataillone 

61 Grenadierdivisionen ä 3 pro Bataillon 20 '/ 3 „ 

17 Grenzinfanterieregimentern a 2 Bataillone 34 „ 

1 Jägerinfanterieregiment 3 „ 

Summe. . . 240V 3 Bataillone 

Im ganzen somit um 180 2 / 3 Bataillone weniger als Frank- 
reich mit den drei erwähnten Filialrepubliken. 

Schlägt man von den zur französischen Disposition stehenden 
421 Bataillonen auch die 22 Bataillone ab, welche Frankreich im 
vorigen Jahre in den Kolonien hatte, so behält es doch 159 Ba- 
taillone Infanterie schon beim ersten Ausbruche mehr als wir. Somit 
wäre immer die zu militärischen Operationen gleich disponible und 
bereitstehende Macht Frankreichs um 159 Bataillone stärker als die 
Österreichs. 

Die Summe der Truppen zum Schutze des Innern muß von 
beiden Seiten ungefähr gleich angenommen werden, denn Frank- 
reich hat (die Küsten abgerechnet) sonst auf keiner Seite eine Grenze, 
die nicht schon durch die Armee garniert wäre; die Pyrenäen-Grenze 
ist ohnehin sicher. Für unseren ausgedehnten Kordondienst, für die 
weitläufige Grenze, insonderheit gegen Preußen, was in allen und jeden 
Fällen nicht aus den Augen gelassen werden dürfte, müßte eine ver- 
hältnismäßige Anzahl Bataillone im Innern zurückbehalten werden. 

Vor und zuerst setze man nur die schon vorhandene Macht 
von Österreich und Frankreich gegeneinander in Parallele. Sobald 



< — 



wie bei einem ausbrechenden Kriege von beiderseitigen Verstär- 
kungen die Rede ist. hat offenbar Frankreich wieder ein ebenso 
entschiedenes Übergewicht. Wie schon oben angeführt worden ist, 
wird die in den konskribierten Provinzen vorhandene anwendbare 
Mannschaft nicht einmal hinreichen, um die deutschen Regimenter 
auf den Kriegsfuß zu komplettieren. Umsoweniger würde man Res- 
sourcen haben nach einigen blutigen Schlachten. Die Aushilfe 
mittels der Reichswerbung würde durch das Vorrücken der französi- 
schen Truppen in Deutschland, bei den üblen Gesinnungen ver- 
seil iedener der angesehensten deutschen Fürsten, ganz abge- 
schnitten. 

Dagegen steht Frankreich nicht nur die ganze, in manchen 
Provinzen sehr geschonte Population der französischen, italienischen, 
helvetischen und batavisehen Republik unbedingt zu Gebote und 
kann nach einem über alle Rücksichten sich hinwegsetzenden Kon- 
skriptionssysteme verwendet werden. 

Aus diesem folgt: daii die französische Macht nach dem aus- 
gebrochenen Kriege im Laufe der Campagnen nicht nur um 
159 Bataillone immer im Felde stärker bleibt als jene, die man 
österreiehischerseits ihr entgegensetzen kann, sondern daß auch 
vielmehr das gleich anfängliche Übergewicht an Truppenzahl, aus 
den eben angeführten Gründen, bei der wechselseitigen Kriegsaug- 
mentation selbst in beträchtlicher Progression zunehmen müßte. 
Man mußte hier zuerst die Macht Österreichs und Frankreichs gegen- 
einanderstellen, auch ohne Rücksicht auf etwaige Alliierte Öster- 
reichs, vorzüglich darum, weil jedenfalls gleich im Anfang eines 
kriegerischen Ausbruchs, ehe und bevor noch von den Alliierten 
eine Unterstützung anlangen könnte, ehe und bevor noch russische 
Truppen von der galizischen Grenze auf dem so weit entfernten 
Kriegsschauplatz eintreffen könnten. Österreich das ganze eben dar- 
gestellte Übergewicht der französischen Macht allein tragen müßte. 

Was den eben erwähnten, für den Alliierten weit entfernten 
Kriegsschauplatz betrifft, so ist auch hier ein Blick auf diesen zu 
werfen, auch auf diesem die Vergleichung anzustellen, um die Mög- 
lichkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Erfolges sowohl der Offen- 
sive als Defensive desto richtiger zu berechnen. 

Das Terrain, auf welchem bei einem ausbrechenden Kriege in 
zusammenhängender Linie operiert werden dürfte, wäre von der 
österreichisch-französischen Grenze in Italien bis an den Bodensee. 






Auf dieser Linie müßte entweder vorgerückt werden, wenn man 
eine offensive Operation vornehmen wollte, oder auf dieser ganzen 
Linie müßte man sich halten, wenn man bloß defensiv agieren 
wollte. Man kann als richtig annehmen, daß weitaus der größte 
Teil der erwähnten Macht in Italien würde verwendet werden: 
österreichischerseits, weil hier allein — vorausgesetzt, daß man die 
zureichenden Kräfte auch in der gehörigen Zeit dazu hätte — eine 
Akquisition von Wert denkbar wäre, weil hier die Gefahr für die 
österreichische Monarchie am nächsten und größten ist und nur 
durch eine Vorrückung in Italien oder wenigstens Haltung auf 
obigen Punkten unsere Staaten vor der augenblicklichen feindlichen 
Invasion zu retten sind; französischerseits, weil das französische 
Gouvernement dermalen hohes persönliches Interesse hat, die italieni- 
sche Republik zu erhalten; weil hier mit dem ersten Schritt Öster- 
reich der empfindlichste Schaden zugefügt, in die unbefestigten 
österreichischen Provinzen, in das Herz und bis zur Hauptstadt der 
Monarchie selbst, nach einer gewounenen Schlacht vorgerückt 
werden könnte, und weil die französische Armee gerade an der 
italienischen und helvetischen Grenze beim Eingange der Mon- 
archie ihre Militärressourcen zunächst im Bücken hat; da hingegen 
von der Seite Deutschlands her die französische Armee, ehe und 
bevor sie Österreichs Grenze erreicht, von ihren Verstärkungen sich 
verhältnismäßig weiter entfernte und selbst auf der kürzesten Linie, 
durch Schwaben und Bayern, erst später entscheidende Schläge 
gegen Österreich führen könnte, welche die französische Übermacht 
von Italien aus, in den ersten Tagen des Ausbruches, gleich auf 
österreichischem Terrain, mit wahrscheinlich glücklichem Erfolg 
ausführen kann, mithin lange Zeit zuvor, ehe irgend eine russische 
Verstärkung zu erhalten für uns physisch möglich wäre. 

An der Etsch wäre daher das erste und vorzüglichste Kriegs- 
theater anzunehmen. Hier müßte man, wenn der Krieg einen Zweck 
haben sollte, offensive operieren. Schon der Übergang über die 
Etsch, deren rechte Ufer beinahe überall die dominierenden sind, 
würde eine gewonnene Schlacht von unserer Seite fordern. Und 
dann hat die französische Armee an dem rechten Mincio-Ufer so- 
gleich wieder eine furchtbare Stellung, deren rechter Flügel durch 
die Sümpfe und Arme des Po, der Mittelpunkt durch Mantua, die 
linke Flanke durch Peschiera, die Front durch das breite und mo- 
rastige Bett des schwer zu passierenden Mincio gedeckt ist. Selbst 



— 9 — 

im Rücken könnte diese Position nicht angegriffen werden, nachdem 
das französische Gouvernement Rocca d'Aufo, welches den Paß vom 
Lago d'Idro beherrscht, regelmäßig hat befestigen lassen. Es be- 
dürfte daher eines zweiten entscheidenden Sieges, um die französi- 
sche Armee nur aus dieser Stellung zu verdrängen. 

Nach einer solchen entscheidenden Schlacht, wodurch selbst 
im allerglücklichsten Falle die Armee beträchtlich geschwächt werden 
müßte, brauchte man wenigstens 30.000 Mann, um Mantna und 
Peschiera einzuschließen, nebst einem Korps, welches Rocca d'Anfo 
wenigstens blockierte und die rechte Flanke deckte; wogegen die 
französische Armee weniger Truppen bedarf, um diese Plätze zu 
besetzen. 

Ehe man von Mantua und Peschiera Meister wäre, könnte 
man, ohne gegen alle Regeln der Taktik zu verstoßen, nicht über 
die Adda gehen, viel weniger noch nach Piemont vordringen, denn 
die Folgen sind leicht zu berechnen, wenn man über der Adda eine 
Schlacht verlöre, bevor man im Rücken von Mantua und Peschiera 
Meister wäre. Welche Zeit ist aber erforderlich, um sich dieser 
Plätze zu bemeistern? Auch selbst angenommen, daß wir zum 
zweiten, vielleicht zum dritten Male siebten, auch wenn durch die 
erwähnten festen Plätze unsere weiteren Offensivoperationen nicht 
mehr gehindert würden, so erfordert der Übergang über die Adda 
einen neuen Sieg und die Einschließung von Pizzighetone. Wenn 
man dann bis an die ehemals piemoniesischen Grenzfestungen vor- 
gedrungen wäre, so wird ein Blick auf die Karte von Piemont, 
auch selbst die Geschichte des Feldzuges 1799, gewiß jeden über- 
zeugen, welchen Schwierigkeiten hier ein Angriff ausgesetzt sei 
gegen einen Feind, der im Besitze der Festungen eines Landes ist; 
sicher wäre hier nur mit der entscheidendsten Übermacht, besonders 
dermalen, nur einiger Erfolg möglich. 

Der Feldzug 1799 in Italien war für die alliierten Truppen 
einer der glorreichsten. Die französische Armee war beinahe ver- 
nichtet, als die Österreicher und Russen an der piemontesischen 
Grenze eintiafen; und doch, welche Schwierigkeiten kostete es. 
während man die Festungen Alessandria und Tortona einnahm, die 
Schikanen aus den Pässen von Novi und Gavi abzuwenden. Bei der 
entschiedenen französischen Übermacht und Begünstigung des 
Operationsterrains läßt sich daher eine solche Reihe von Siegen 
nicht versprechen. Mantua allein hielt Bonapartes so oft entschieden 

Krauss. 1805, Der Felclzug von Ulm (Beilage 1). b 



— 10 — 

siegende Armee ein volles Jahr auf und lähmte solange alle seine 
weiteren Fortschritte (daher nicht richtig die Äußerung der ge- 
heimen Hof- und Staatskanzlei, daß die Lombardei durch Mantua 
faiblement gedeckt sei). Der Feldzug von 1799 darf hier nicht zum Maß- 
stabe dienen, wo der rechte Flügel der französisch-italienischen 
Armee nach Unteritalien verbannt, der linke in Veltlin postiert, an 
der Spitze des allein fechtenden Zentrums der unfähige Scherer. 
Mantua schlecht versehen und von Seite des tollkühnen Direktoriums 
alles vernachlässigt war, was zu einer kraftvollen Offensive und Defen- 
sive hätte veranstaltet werden müssen. Und doch bewirkte auch da- 
mals erst der dritte Sieg den Übergang über die Adda. 

Man muß dermalen bei Bonaparte ein ganz anderes militärisches 
Benehmen unterstellen, als jenes des Direktoriums im Jahre 1799 war. 

Selbst wenn man alle oberwähnten glücklichen Ereignisse vor- 
aussetzte, so könnte man nicht wohl mit Sicherheit in Italien über 
die Adda vorwärtsdringen, wenn man nicht zugleich in Graubünden 
und dem Veltlin gleichen Schritt hielte und dadurch die rechte 
Flanke der siegenden kaiserlichen kombinierten Armee deckte. 

Das Vorrücken in Graubünden und Veltlin müßte aber eben- 
falls mit neuen Siegen gegen einen Feind erfochten werden, der 
durch das Lokale begünstigt ist und viel leichtere Substinenz seinen 
Truppen verschaffen kann, als dies von Tirol aus möglich ist. 

Um die Offensive und Defensive der italienisch -kaiserlich- 
königlichen Armee zu sekundieren und von Tirol Einfälle abzu- 
wenden, müßte der wahrscheinlich auch von Straßburg auf der kür- 
zesten Linie durch Schwaben nach Österreich vordringenden feind- 
lichen Armee auch eine zweite, wenn auch nicht so beträchtliche 
Armee entgegengestellt werden, mit welcher man die Hier vor der 
feindlichen zu erreichen trachten müßte. Eine oder mehrere ge- 
wonnene Schlachten von jener Seite können aber nicht wohl ein 
anderes Resultat haben, als den Feind wieder über den Rhein zurück- 
zuwerfen, woher er gekommen ist und wo er in seinem Rücken ganze 
Reihen von Festungen besitzt wohin also kein vernünftiger Operations- 
plan bei dem dermaligen Stande der Dinge führen kann. 

So wenig also selbst im Falle wiederholter entscheidender Siege 
für die k. k. Armee in Italien und Deutschland irgend ein bedeutender 
Erfolg und entscheidende große Resultate zu erwarten sind, so 
fürchterlich wären hingegen die Folgen eines unglücklichen Ereig- 
nisses, welches man bei der großen französischen Übermacht an 



— 11 — 

Truppenzahl, d^r Begünstigung der Opeiationsterrains als weitaus 
das wahrscheinlichste annehmen muß. 

Frankreich hat mit Einschluß der cisalpinischen Truppen in 
Italien eine weitaus größere Macht zu Gebote als Österreich. Zur 
Deckung der italienischen Republik dürften keine französischen Truppen 
zurückgelassen werden, denn dafür wäre gleich in diesem Falle 
durch die aus Frankreich nachrückenden Truppen gesorgt. Die fran- 
zösische Armee ist durch die nach dem letzten Friedensschluß er- 
rungenen Vorteile in eine so vorteilhafte Lage versetzt, daß sie gleich 
in den ersten Tagen bei Ausbruch der Feindseligkeiten sich aus 
den benachbarten Festungen am rechten Etsch-Ufer sammeln und 
über selben Fluß vordringen kann, ehe man diesorls eine angemessene 
Armee sammeln und entgegenstellen kann. Die erste Schlacht würde 
schon auf österreichischem Gebiete geliefert werden, und geht diese ver- 
loren, was bei der ungleichen Stärke der französischen Armee mehr 
Wahrscheinlichkeit für sich hat, so hält kein fester Platz das Ein- 
dringen des Feindes nach Innerösterreich ab. Es bedarf vielleicht 
keiner zweiten verlorenen Schlacht, um die Residenz augenblicklich 
in die dringendste Veilegenheit zu setzen. Palmanova ist zu unbe- 
deutend, um den Marsch des Feindes aufzuhalten; Venedig kann 
zwar nicht sogleich genommen werden, aber mit einer nicht größeren 
Macht als man in der Stadt hat, kann der Feind die Ausgänge aus 
derselben längs der Brenta versperren. Tirol würde dann bedroht, 
tourniert zu werden, und die Magazine, die man trotz aller Kosten 
in Brixen hätte sammeln müssen, würden zuletzt dem Feinde das 
Vordringen von dieser Seite erleichtern ; denn wenn ein überlegener 
Feind vordringt, wird das Retten und selbst auch das Zerstören der 
Magazine nicht wohl möglich. Mithin, so wie die Lage der Dinge 
jetzt ist, würde den Feind nach einer oder zwei gewonnenen 
Schlachten von der Etsch bis nach Wien kein fester Platz, kein 
Fluß aufhalten, denn Brenta, Piave, Tagliamento und Isonzo, die 
Laibach und die Mur sind durchaus keine Anlehnungspunkte. In 
3 Wochen könnte der Feind einen Frieden erzwingen, der Öster- 
reich das Venetianische kostete und den Rückmarsch der etwa vor- 
marschierenden russischen Truppen geböte. 

Ein Rhein- Übergang gegen Elsaß wäre für die österreichische 
Armee die zweckwidrigste Unternehmung. 60 — 80 Meilen von den 
Erblanden einen arrondierten, an allen Hilfsquellen sehr überlegenen, 
mit Festungen wie mit einer Kette umschlungenen Staat angreifen, 

b* 



.— 12 — 

wo man im Falle eines kaum zu erwartenden günstigen Erfolges 
vor Festungen Zeit und Kräfte verderben müßte und wo man im 
Falle eines Unglückes nicht mehr wie ehemals ein Ehrenbreitstein, 
ein Mainz, ein Mannheim, wo man nirgends einen Brückenkopf zur 
Deckung des Rückzuges, nicht einmal mehr eine Stellung bei Ulm 
wie im Jahre 1800 hätte, wo man nach einer einzigen verlorenen 
Hauptschlacht die zerrüttete Armee entweder in den Schluchten von 
Tirol dem Hunger exponieren oder in der verderblichsten Eile bis 
hinter den Inn zurückwerfen müßte, eine solch zwecklose Operation 
kann kein Taktiker anraten. 

In Deutschland kann man bei der jetzigen Lage der Dinge vor- 
derhand, ehe und bevor nicht die italie ische Armee siegend über 
die Adda würde vorgedrungen sein, nichts anderes tun, als eine 
richtig berechnete Defensivstellung zu wählen, welche zugleich Nord- 
tirol gegen feindliche Invasionen deckte und den Feind hinderte, an 
der Donau hinabzudringen. 

Gesetzt nun, diese Iller-Armee hätte den Feind wiederholt ge- 
schlagen, so wäre damit weiter nichts erreicht, als daß die fran- 
zösische Armee über den Rhein zurückgeworfen werden würde und 
daß die Iller-Armee vielleicht den in Italien siegenden Feind von 
tieferem Eindringen in Innerösterreich abhalten könnte. 

Aber den Fall angenommen, daß die österreichische Armee in 
Italien total geschlagen und von der Iller-Armee Verstärkungen 
an erstere gezogen würden, wenn nun letztere, nämlich die ge- 
schwächte Iller-Armee, ebenfalls geschlagen würde, so würde die 
Sicherheit der Monarchie doppelt dergestalt gefährdet werden, daß 
selbst die Rettung der Residenz schlechterdings unmöglich würde. 
Der Vorteil einer entschiedenen Übermacht, wie ihn die französi- 
sche Armee sowohl der Truppenzahl als auch dem günsti^an 
Operationsterrain nach besitzt, darf umsowenijier außer acht ge- 
lassen werden, je mehr in den Jahren 1796, 1797 und 1800 die 
Erfahrung aufmerksam gemacht hat. Der an Truppenzahl über- 
mächtige Feind hat vor dem anderen Teil den Vorteil, auf eine 
Operationslinie eine weit überlegene Armee hinzuziehen, liefert 
auf dieser entscheidende Schläge, nötigt den Gegner, um hier der 
dringenden Gefahr zu wehren, von einer anderen Armee schnell 
Verstärkungen an den bedrohten Punkt zu ziehen und gewinnt 
eben dadurch auch dieser letzteren gegenüber eine gleich ent- 
schiedene Übermacht. 



— 13 — 



II. 



Bei diesen so ungleichen Kräften müßte man daher haupt- 
sächlich auf die Unterstützung der Alliierten rechnen. Der erste 
wäre Rußland. Um mit einiger Wahrscheinlichkeit bestimmen zu 
können, was von diesem Hofe zu erwarten, muß man das Benehmen 
durchgehen, welches derselbe seit dem Ausbruche der französischen 
Revolution beobachtet hat. Seit Anfang der Revolution hat keine 
Macht eine entschiedenere Sprache gegen die Demagogen geführt, 
keine Österreich mehr zu feindseligen Maßregeln ermuntert als 
Katharina IL, und solange sie lebte, war nicht ein Mann russi- 
scher Truppen gegen Frankreich marschiert. Einige Linienschiffe 
waren mit den englischen Flotten vereinigt, wo keine Gefahr zu 
fürchten war. Der Krieg wälzte sich im Jahre 1797 bis vor die Tore 
von Wien und Rußland tat keinen Schritt, einen Staat zu unter- 
stützen, der 14 Jahre früher durch seine drohende Stellung die Pforte 
von der Kriegserklärung abgeschreckt und Katharina IL die ruhige 
Besitznahme der Krim verschafft hatte. 

Erst als Bonaparte Ägypten eroberte, fand Rußland die schöne 
Gelegenheit, sich eine bleibende Besitzung im Adriatikum mit Bei- 
wirkung der Pforte zu verschaffen. 

Frankreich mußte 17 l J9 erst auf dem Kontinente beschäftigt 
werden, damit Korfu eine leichte Eroberung würde. 

Rußlands Zwecke waren erreicht und das St. Petersburger 
Kabinett sah im Dezember 1800 Österreichs Gefahr mit kalter Gleich- 
gültigkeit zu. 

Seit dieser Zeit unterschrieb Rußland zum Erstaunen der Welt 
mit einer herabwürdigenden Folgsamkeit die französischen Indemni- 
sationspläne, wodurch Preußens Verrat an der gemeinsamen Sache 
Europas so glänzend belohnt wurde, durch die man den zweiten 
Prinzen des Erzhauses auf ein Drittel seiner friedensschlußmäßigen 
Entschädigung herabsetzte und die der österreichischen Tertiogenitur 
alle Stifter des Breisgau raubten. 

Diese Bereitwilligkeit Rußlands gegen Frankreich zeigte sich 
zu einer Zeit, wo alle russischen Verwendungen für den König von 
Sardinien ohne alle Rücksicht abgelehnt wurden. Für diesen Fürsten 
wurde von Rußland nicht einmal etwas in einem Zeitpunkte stipuliert, 
in welchem Bonaparte dem Frieden mit Rußland doch ein Opfer ge- 
bracht haben würde. Die späteren, mit keinem reellen Nachdrucke 

Krauss. 1805. Der Feldzug von Ulm (Beilage 1). C 



. — 14 — 

unterstützton Interzessionen für diesen Monarehen scheinen bloß aus 
dem Herzen des russischen Kaisers geflossen zu sein. 

Als Hannover bedroht wurde, wollte das St. Petersburger 
Kabinett Preußen vorschieben. Wenn 20.<'00 Eussen Hannover be- 
setzt hätten, so darf man mit Grund zweifeln, ob Bonaparte russische 
Truppen feindlich behandelt hätte. Soweit das bisherige russische 
Benehmen. 

Was die dermaligen Anträge des russischen Kabinetts betrifft, 
so kann ich in selben noch nicht eine wahre Sincerite und be- 
ruhigende Dispositionen wahrnehmen. 30.000 Mann bietet dieser 
Staat zur Disposition Österreichs an, dafür, daß sich Euer Majestät 
zum dritten Male für Europa opfern sollen. Die übrigen russischen 
Truppen sollen in Holstein und überhaupt im nördlichen Deutsch- 
land agieren, wo sie Österreich keinen Nutzen schaffen können und 
wo sich die französischen Truppen eher ganz zurückziehen werden, 
ehe Bonaparte sich entschlösse, in Italien ein Dorf zu räumen. Von 
Griechenland aus soll eine Diversion gemacht werden, welche für 
Österreich, wenn an der Etsch eine Schlacht verloren geht, keinen 
Zweck mehr hat. Endlich will man Preußen beobachten. 

Hier sind zwei Fälle denkbar: daß Preußen über kurz oder 
lang entweder in Verbindung mit Frankreich träte — oder die Neu- 
tralität beobachten wollte. Sobald der erste Fall eintritt, würde ein 
großer Teil der russischen Streitkräfte erforderlich sein, um dieser 
Macht die Spitze zu bieten. In letzterem Falle, da den Preußen nie 
zu trauen sein dürfte, müßte ebenfalls eine doch immer ange- 
messene Zahl kaiserlich russischer Truppen zur Observierung bestimmt 
werden. 

Wenn es auch dahin käme, daß Rußland 100.000, selbst 150.000 
Mann mit den österreichischen Truppen agieren ließe, so ist wchl 
zu erwägen, ob Rußland unter allen denkbaren möglichen Fällen 
und Umständen auch ausharren wird? Möglich ist es und die 
bisherigen Erfahrungen haben es bewiesen, daß, ehe ein Jahr ver- 
fließt, irgend eine Differenz, z. B. zwischen beiderseitigen Generalen 
oder eine ähnliche Ursache, zum zweiten Male den Vorwand oder 
den Grund abgeben dürfte, Österreich allein auf dem Kampfplatze 
zu lassen. 

Noch zurzeit kann man in den russischen Offerten, so wie sie 
vor uns liegen, nichts anderes wahrnehmen als das Bestreben, 
Österreich auf den Kampfplatz zu bringen, und an dem Kampfe 



— 15 — 

gerade so viel, wo und wie es dem russischen Kabinette beliebt, 
Anteil zu nehmen. 

Die russischen Anerbietungen, so wie sie dermalen gemacht 
sind, sind gewiß noch nicht dazu geeignet, die Hoffnung zu nähren, 
daß Rußland auf die für Österreich konvenierende Art tätig sein 
werde. Vielmehr ist die Besorgnis eines solchen Falles hier nicht 
außer acht zu lassen, daß, wenn nur einmal auch durch angeknüpfte 
Unterhandlungen die Sache so weit gekommen ist, daß Österreich 
mit Frankreich gebrochen hat, man alsdann diesseits froh sein müßte, 
diejenigen Unterstützungen zu erhalten, zu denen Rußland sich 
herbeilassen will. 

Wenn man auch als richtig annehmen will, daß Rußland auf- 
richtig und andauernd mit 1 50.000 Mann direkt gegen Frankreich 
agieren wollte, so ist auch damit der Zweck nicht erreicht. Bonaparte 
würde gewiß nicht abwarten, bis die Vereinigung der russischen 
Truppen an der Etsch statt hätte; er würde schnell über Österreich 
herfallen, bei Begünstigung des Lokale, bei der leichten Kom- 
munikation zwischen Frankreich, Helvetien und Italien entscheidende 
Schläge liefern, ehe und bevor eine russische Truppe zum Gefechte 
käme noch kommen könnte. 

Das Glücklichste, was man hoffen, nach den oben auseinander- 
gesetzten Daten aber nicht wohl erwarten könnte, wäre die Ver- 
teidigung- unserer eigenen Grenze, und um dieser willen kann man 
sich doch nicht allen den möglichen und sogar höchst wahrschein- 
lichen Folgen eines Bruches mit Frankreich aussetzen. 

Mit 150.000 Russen vereint, können wir noch immer nicht 
eine Macht aufstellen, die der disponiblen Macht Frankreichs auf 
dem Operationsterrain das Gleichgewicht hielte. Es ist nicht zu 
vergessen, daß nach einem Unglücksfalle russische Verstärkungen, 
ehe sie bei der Armee eintreffen können, mehr Monate bedürfen 
als die französischen nur Wochen. Unter Truppen alliierter Mächte 
ist auch bei der besten Disposition der Kabinette doch nie jener 
Einklang, jenes zweckmäßige Zusammenwirken zu erwarten, wie 
unter Truppen einer und der nämlichen Macht. 

Man vergesse hier ja nicht, daß jetzt keineswegs, wie im Jahre 
1799, an eine Verstärkung mit bayrischen, württembergischen Truppen 
zu denken ist. Ebensowenig ist auf Insurrektionen in Italien zu 
rechnen. Noch weit weniger läßt sich eine ergiebige Diversion von 
Seite Englands erwarten. Im Momente, als der Kontinentalkrieg 



— 16 — 

ausbricht, fallen alle französischen Landungsprojekte weg. Die ganze 
Truppeumasse, die jetzt längs der französischen Küsten steht, wird 
gegen Italien, Graubünden und Deutschland mit der größten Schnellig- 
keit aufbrechen. Frankreich kann von einer englischen Landung 
nichts besorgen und auf die 38.000 englischen Volontärs wird man 
keine kontinentalen Operationen gründen. 

Großbritannien muß immer einen Teil seiner regulären Land- 
macht im Innern behalten; den entbehrlichen Best wird die mer- 
kantilische Politik zur Eroberung der französischen und holländischen 
Kolonien verwenden. Die Erfahrung des letzten Krieges hat es 
neuerdings bewiesen, daß auf einen Erfolg auf dem Kontinente von 
Seite der englischen Truppen gar nicht zu rechnen ist. Überdies 
kann man auch nie mit Grund erwarten, daß England, hauptsächlich 
von Merkantilgeist beseelt, über KontinentalverhältDisse die wahre 
Politik beobachten werde. 

Die Geschichte der letzten 150 Jahre bestätigt diese große 
Wahrheit. 

Im Jahre 1672 wollte England mitwirken, daß Ludwig XIV. 
ganz Holland okkupierte; Österreich und der Kurfürst von Branden- 
burg vereitelten damals glücklich dieses Projekt. So neu nun auch 
der Eindruck von Frankreichs Übermacht und dessen Mißbrauch 
noch war, so fiel es doch England bei den Utrechter Unter- 
handlungen (1712/13). wo es dem gebengten Ludwig im strengsten 
Sinne hätte Gesetze vorschreiben können, nicht ein, die französische 
Eeihe von Festungen gegen Belgien zu zerreißen; England dachte 
nicht einmal auf das, was Ludwig XIV. drei Jahre früher, nebst 
der Abtretung Spaniens, selbst angeboten hatte. 

In einem üblen Humor über Karls des VI. Handelsprojekt ließ 
England ruhig geschehen, daß auf Kosten Österreichs ein bour 
bonischer Thron in Neapel errichtet wurde und daß Frankreich 
sich Lothringens bemächtigte — des einzigen Punktes, der den 
Zusammenhang des Staates unterbrach und seine Umspannung 
Belgiens noch hinderte. Unter Josef IL half England die Belgier 
verhetzen — ein Umstand, der die französische Okkupation dieses 
Landes um gar vieles erleichterte. Was konnte England so wesentlich 
daran liegen, wer Belgien besäße? Nicht zu vergessen, wie sehr die 
Zwecke des 1793er Feldznges durch die englischen Absichten auf 
Dünkirchen vereitelt wurden ; die Zerstörung der holländischen 
Schiffe ohne weiteren größeren Zweck, die Nic-htlandung des engli- 



— 17 — 

sehen Korps im Genuesischen, wodurch nicht früher der französischen 
Reservearmee entgegengerückt wurde! Es wäre sonst nicht bei 
Marengo gefochten worden. 

Außer Marlborough fühlte es nie ein Engländer, daß England 
auch an der Donau die Herrschaft des Meeres erkämpfen könne. 

Was Rußland von der Bewaffnung deutscher und italienischer 
Fürsten erwarte, lasse sich ohnehin nicht absehen. 

Überhaupt sind Alliierte, welche nur entfernte Diversionen 
machen, für die Sicherheit der Erblande zu unbedeutend; und wenn 
auch eine fremde Macht 100.000—120.000 Mann mit Österreich 
vereinigt direkt agieren läßt, so muß man auch den weiteren, gewiß 
höchst wesentlichen Umstand nicht vergessen, daß die Provinzen, 
welche dem Kriegstheater am nächsten sind, z. B. Innerösterreich, 
Tirol, der Armee wenigste Subsistenz bieten können. 

Die Zufuhr für solche Truppenmassen würde, wo nicht un- 
möglich, doch mit ungeheuren Kosten verbunden sein, deren Last, 
wenn sie auch später ersetzt würden, doch immer für die Finanzen 
Euer Majestät, bei der außerordentlichen Teuerung, derzeit vielleicht 
unerschwinglich sein würden. 

III. 

Wenn man aber auch in militärischer Hinsicht einen nicht 
unglücklichen Erfolg annehmen wollte, so zerfällt alle Hoffnung 
vollends bei dem ersten Blick auf die Finanzen. 

Jetzt, mitten im Frieden, bei der möglichsten Abspannung der 
Militärkraft, bei einer übermäßigen Kupferausmünzung, ist man mit 
Deckung der laufenden Staatsausgaben noch nicht im reinen. Es 
bedarf noch außerordentlicher Anstrengungen, neuer Hilfsquellen 
und Erweiterung der alten, bis man nur der Kupferausmünzung ent- 
behren und an die Verbesserung der Finanzen, an Tilgung der 
Passiven mit Ernst Hand anlegen kann. Der Kredit und der Kurs 
sind immer mehr im Sinken. 

Nun würde die bloße Herstellung der Armee auf den Kriegsfuß 
augenblicklich eine Auslage von mehr als 20 Millionen, die Unter- 
haltung der auf den Kriegsfuß augraentierten Armee sogar nach 
der Friedensgebühr eine jährliche Ausgabe von mehr denn 33 Mil- 
lionen Florius fordern. Dieses wäre die unmittelbare, augenblickliche 
Folge der begonnenen ersten Rüstung. 



— 18 — 

Die Kosten eines Feldzuges in dem letzten Kriege beliefen sich 
immer auf HO — 130 Millionen. Können nun erhöhte Auflagen 
statthaben? Man hat in mehreren Konferenzen debattiert, um das 
Register neuer Auflagen zu machen und hat noch nicht die Be- 
dürfnisse für Friedensjahre befriedigend ausmitteln können. 

Anlehen wird der Staat, dessen Kredit so tief steht, nicht 
wohl finden, wenn durch den Ausbruch eines Krieges seine Passiva 
sich in fürchterlicher Progression mehren und die Quellen, die An- 
stalten zur Verbesserung so sehr sich mindern. Wollte man die 
Bankozettel, ohne ein Ziel abzusehen, vermehren, so ist der gänzliche 
Unwert dieser Papiere, ein völliger Staatsbankerott unvermeidlich — 
dem Staate würden mit einem Schlage alle Ressourcen abgeschnitten. 

Subsidien oder eigentlich Anlehen von England können diese 
Lage der Dinge nicht ändern. So stark können diese Subsidien nie 
ausfallen, daß der Staat nicht noch immer für viele Millionen jährlich 
in der eben erwähnten Verlegenheit wäre. Dann ist nicht zu ver- 
gessen, daß England während des letzten Krieges nicht eben sehr 
liberal gehandelt hat. Vergleiche man die Geschichte und die Details 
dieser Subsidien. Der Herr Staatsminister Graf Kolowrat erklärte sie 
für ein wahres Wuchergeschäft in seiner Abstimmung über den 
Finanzausweis pro lö02. Auch hier ist der Umstand nicht ganz zu 
übergehen, wie man diesseits auch nicht ohne Grund besorgen 
dürfte, daß England mit der Zeit, nämlich selbst im Laufe des 
Krieges, statt der baren Auszahlung die älteren Schulden Österreichs 
in Abrechnung brächte. 

Sobald von Kriegsoperationen die Rede ist, muß man sicher 
sein, die notwendigen Hilfsquellen für selbe auftreiben zu können. 
Ohne diese läßt sich von keiner Operation, und wäre sie noch so 
gut berechnet, etwas Zweckmäßiges oder irgend ein Erfolg Ver- 
sprechen. Jedenfalls sollte der Herr Kammerpräsident über diesen 
Punkt gehört und von ihm eine standhafte Äußerung abverlangt 
werden, ob und wie die für den Krieg erforderlichen Summen auf- 
zubringen seien. Schließlich finde ich hier noch zu bemerken, daß 
ich mit der geheimen Hof- und Staatskanzlei nicht ganz einver- 
standen bin, wenn sie äußert, der Feind würde sich zum Frieden 
bequemen, sobald er an seine Grenzen zurückgedrängt wäre. 

Vor allem ist ein Rückblick auf das zu werfen, was im ersten 
Abschnitte von den beiderseitigen Staatskräfteh und dem Operations- 
terrain stufenweise auseinandergesetzt worden ist — was und wie 



— 19 — 

vieles erforderlich ist, um den Feind bis an seine Grenzen zurück- 
zudrängen, wie viel ununterbrochen entscheidende Schlachten, wie 
viele Eroberungen fester Plätze erforderlich sind, um die Franzosen 
aus der italienischen Republik, aus dem Piemontesischen, Ligurien 
und der Schweiz zu verdrängen. 

Solange alle die festen Plätze nicht gefallen und der Feind 
durch eine ganze Reihe von Siegen nicht gedemütigt und selbst 
unterdrückt sein wird, ist von dem übermütigen französischen Gou- 
vernement keineswegs zu erwarten, daß es sich dazu verstehen werde, 
die italienische Republik und das Piemontesische heraus- und das 
Dominat über Helvetien aufzugeben. Wie viele Mittel an Mannschaft, 
an Geld und selbst dann noch, wieviel anhaltendes Glück würde 
erforderlich sein, um all das zu erreichen? Im glücklichsten Falle 
würde eine solche Zurückdrängung mehrere Jahre kosten. Wie würde 
der Aufwand an Menschen und an Geld von den Finanzen diese 
ganze Zeit durch bestritten werden? 

Auch selbst den allerglücklichsten Fall angenommen, daß die 
feindliche Armee durch eine lange Reihe von Niederlagen und den 
Verlust aller festen Plätze in den Filialrepubliken und dem Piemon- 
tesischen bis an ihre Grenzen zurückgedrängt wäre, so findet sich 
selbe mit ihren eigenen Festungen umgeben und bleibt noch immer 
verhältnismäßig in einer solchen Verfassung, im Besitze solcher 
Ressourcen, daß eine totale Überwindung des Feindes sich nicht wohl 
hoffen ließe, welche doch erfolgen müßte, ehe man von selben er- 
warten könnte, daß er sich all dies gefallen lasse, worauf in dem 
mir mitgeteilten Memoire gedeutet wird. 

IV. 

Nicht zu berechnen ist es zum Voraus, wozu ein Krieg, der 
einmal angefangen ist, zuletzt führen könne. Wenn man indessen 
erwägt, daß einerseits die wehrhafte Population bis zur Insuffizienz 
auch nur für die erste Rüstung zusammengeschmolzen; daß das dies- 
seitige Operationsterrain im Vergleiche mit dem französischen viel 
ungünstiger, die Finanzen völlig erschöpft, von dem Bankerott nicht 
weit entfernt und die Umstände überhaupt so sind, daß ein Sieg 
die Truppen Eurer Majestät nur um einen unbedeutenden, nichts ent- 
scheidenden Schritt vorwärts führen, dagegen eine einzige Nieder- 
lage die Armee in ihrem Mittelpunkte erschüttern kann; von der 



— 20 — 

Alliierten bestimmten und ausreichendem Willen man noch keine 
Kenntnis hat, noch haben kann ; wenn sie selbst der dringendsten 
Gefahr fern und immer für den Kontinentalkrieg selbst unbehiltlich 
sind; wenn man auf der anderen Seite- vergleicht, daß der Feind 
selbst bei aller denkbaren Unterstützung der diesseitigen Alliierten noch 
weit übermächtig an Kräften über eine superieure, zum Teil lang 
geschonte Population gebietet; daß er, mit seinen Filialrepubliken 
verbollvverkt, selbst nach mehreren Niederlagen erst an seinen 
äußersten Punkten berührbar und mit furchtbaren Festungen um- 
geben ist, so daß der Feind bei den unermeßlichen Ressourcen in 
der Auswahl seiner Mittel nicht verlegen, nicht ängstlich, durch 
keine Verfassung gehindert, durch bisheriges Glück sowohl als durch 
Nationalcharakter zu den kühnsten Unternehmungen gereizt ist — so 
kann man die Folgen der Zukunft durchaus nicht übersehen. 

Keiner hat dann die Umstäude, die Verhältnisse in seiner Hand. 

Gesetzt aber auch: der Krieg würde so glücklich geführt, daß 
man sich am Schlüsse einige Territorialvorteile versprechen dürfte, 
so wäre doch immer die unausbleibliche Folge des Krieges eine 
ganz unheilbare Zerrüttung der Finanzen. Bis jetzt hat man im 
Frieden noch nicht helfen können; seit dem Frieden fielen Kredit und 
Kurs noch immer tiefer und tiefer. Bricht ein Krieg aus, so kann 
von Anstalten und Vorbereitungen zur Verbesserung der Finanzquellen 
keine Bede mehr sein. Der Handel und mit diesem auch manche 
Staatseinnahme wird gemindert, der Ackerbau verliert seine tüchtigsten 
Hände immer mehr, der Nationalwohlstand sinkt auf eine nicht zu 
berechnende Tiefe. 

Mit so verminderten Hilfsquellen stünde dann der Staat, seine 
Passiven um mehrere hundert Millionen vergrößert, da. Wenn ein 
Feldzug im letzten Dezennium 110 — 130 Millionen kostete. oO 
müßte man jetzt wenigstens 150 — 180 Millionen rechnen. Der 
Staatsbankerott wäre alsdann schlechterdings nicht zu vermeiden. 
Aber hier ist wohl zu bedenken, daß gerade Österreich keinen 
Bankerott machen kann, ohne eine Staatsumwälzung im nämlichen 
Momente herbeizuführen, weil die Nation im nämlichen Momente 
kein Geld hätte. Zahlungen wären nicht denkbar; die Besitzer von 
Lebensmitteln wären von dem Augenblick an inf offenen, blutigen 
Krieg mit allen übrigen Klassen. 

Auf der anderen Seite könnte der österreichische Staat, bei 
klugen Einrichtungen und weisen Anstalten, von dem dermaligen 



— 21 — 

Frieden sich ein so schönes Emporkommen des Nationalreichtums 
versprechen. Der französische und batavische Handel liegt ganz 
darnieder, der des nichtösterreichischen Italien ist gehemmt, der 
englische durch Kaper und darum durch höhere Assekuranzen ge- 
drückt, Norddeutschland durch die Blockade der Elbe_ und Weser 
gelähmt, und wenn sich die Krisis nur noch wenig mehr entwickelt, 
so kann der Handel von Spanien und Bußland selbst ins Gedränge 
kommen — gute Aussicht für den Handel der österreichischen Häfen 
und Untertanen, wenn sie zweckmäßig benützt wird. 

Alle diese Aussichten verschwinden, sobald Österreich in einen 
Krieg verwickelt wird. 

Was soll Österreich für alle diese Gefahren und Verluste er- 
halten ? 

Rußland trägt an: 

1. Die Restitution und selbst die Verstärkung des Königs von 
Sardinien. 

2. Für Österreich: 

a) eine bessere Grenze in Italien, 

b) die unmittelbare Akquisition von Salzburg. 

3. Die Restitution des Großherzogs von Toskana. 

Die geheime Hof- und Staatskanzlei modifiziert den zweiten 
Punkt näher und bestimmt die Adda zur Grenze in Italien und will 

4. die lombardischen und belgischen Schulden auf die künftigen 
Besitzer dieser Länder wälzen. 

Alle diese Akquisitionen, welche in dem angenommenen glück- 
lichsten Falle als das Maximum aufgestellt sind, stehen mit dem, 
was sie dem österreichischen Staate kosten würden, in gar keinem 
Verhältnisse. 

1. Wie Rußland für die Restitution der Kurfürsten von Salzburg 
Spaniens Einwilligung zu erwirken hofft, ist nicht zu begreifen, da 
man der spanischen Tertiogenitur kein Äquivalent für Toskana zu 
bieten im stände sein würde. Vielmehr dürfte ein solcher Plan eine 
Vereinigung Spaniens mit Frankreich besorgen lassen. 

2. Die Restitution des Königs von Sardinien wäre für Öster- 
reich erwünscht, vorausgesetzt, daß man Sardinien zu einem selb- 
ständigen und für sich gegen Frankreich kraftvollen Staate bringen 
könnte. Auch selbst den glücklichen Fall angenommen, daß Öster- 
reich aus dem Kriege mit oberwähnten Akquisitionen herausginge, 
so könnte es doch nicht hindern, daß Sardinien von Frankreich so 



— 22 — 

unbedingt abhinge als jetzt die italienische Republik. Nur die Form, 
nicht die Staatsverhältnisse wären geändert. 

3. Salzburg. In militärischer Beziehung besitzt es Österreich 
auch jetzt und wird es immer besitzen. In Finanzrücksichten ist 
Salzburg samt der Adda bei weitem nicht bedeutend genug, um die 
Gefahren eines Krieges aufzuwiegen. Zwar wäre die Erweiterung 
der Grenze von der Etsch bis zur Adda immer eine wichtige Akqui- 
sition von mehr als einer Million Menschen 1 ), aber es ist noch eine 
Frage, ob Eußland in das, was die geheime Hof- und Staatskanzlei 
anträgt, einwilligen werde? Denn in dem russischen Memoire ist 
alles, was Eußland anbietet, eine bessere Grenze, und dieses Offert 
wäre schon erfüllt, wenn die Grenze des Friedens von Campo 
Formio hergestellt würde. Kaum ließe sich hoffen, daß Rußland ein- 
willigen würde, die Grenzen bis an den Mincio hinauszurücken. 
Weiter könnte es auch kaum geschehen, wenn der König von Sardinien 
verstärkt und der König von Hetrurien indemnisiert werden sollte. 

Bonaparte müßte sehr tief demütigt worden sein, um seine 
erste politische Schöpfung, seine Lieblingstochter, sein Eigentum, 
die italienische Republik, aufzugeben. 

Auch diesen Fall einen Augenblick angenommen ; daß man 
sich bis an die Adda ausbreitete, so müßte Rußland und auch 
Preußen äquivalente Vorteile dafür erhalten. Preußen würde sich 
im Deutschen Reiche ausbreiten und da seine Präponderanz immer 
mehr befestigen. Rußlands Pläne dürften noch bedenklicher sein : 
die europäische Türkei wahrscheinlich sein Ziel, das griechische 
Kaisertum sein Augenmerk. 

Von Oczakow und Kinburn, von Kameniec etc. droht es den 
nördlichen Donau-Ländern; es gewöhnt die Gewalthaber in Bukarest 
und Jassy, zu zittern. Es hat den Schlüssel zum Adriatischen Meere 
in seinen Händen, kann nach Belieben sich in Oerigo befestigen 
und von da Morea bedrohen. Es ersehleicht sich unvermerkt die 
Herrschaft über Montenegro, übt durch den dirigierenden Synod 
eine immer weiter auszudehnende Gewalt über die Gewissen im 

J ) Nach einer im Jahre 1795 vorgenommenen Kevision der Volkszählung 
beträgt die Population in den ehemaligen venetianischen Provinzen jenseits der 

Etseh im ganzen - 880.221 Seelen 

dazu das Mantuanisehe 200.000 „ 

und einige Distrikte des Mailändisehen auf dem linken Adda- 

Ufer mit 100.000 

so ergibt sieh eine Population von 1,180.221 bis 1.200.000 



— 23 — 

Süden Europas aus, negotiiert in Ragusa, läßt aus allen diesen Gegenden 
griechische Popen nach St. Petersburg kommen, schickt sie reich 
beschenkt wieder zurück, um Apostel für seine jetzige Herrschaft 
und seine künftigen Pläne zu haben. 

Schon jetzt spricht das russische Memoire von Diversionen von 
Seite Griechenlands. Die von St. Petersburg nach Albauien ge- 
kommenen militärischen uud geistlichen Individuen sprachen laut 
davon ; man wollte die Montenegriner und Albanesen vorbereiten 
zu einer Besetzung des Landes gegen die Invasion einer dritten 
Puissance. 

Da die bisherigen Erfahrungen Vorsicht und selbst gewisser- 
maßen Mißtrauen, insonderheit bei einem Staate wie Österreich, 
gebieten, so ist es wenigstens möglich, daß die Russen unter dem 
erwähnten Vorwande sich in jener Gegend festsetzten, um über kurz 
oder lang eineu Plan in Absicht auf das in sich zerrüttete Ösmani- 
sche Reich auszuführen. Für einen solchen Zweck könnte Rußland 
nichts sehnlicher wünschen, als daß Österreich und Frankreich sich 
wechselseitig bis aufs äußerste schwächen. 

Rußland kann mit Großbritannien, wenngleich aus entgegen- 
gesetzten Gesichtspunkten, gleich starkes Interesse haben, einen 
Krieg zwischen Österreich und Frankreich zu wünschen. 

Die Fälle endlich, für welche nach dem Antrage des russi- 
schen Kabinettes der Casus foederis vorhanden und der Krieg als 
erklärt zu betrachten wäre, sind von der Art, daß der eine für 
Österreich gleichgültig, der andere unwahrscheinlich ist. 

Ein Einfall in Holstein kann Österreich umsoweniger alar- 
mieren, als hier keine bleibende französische Besetzung zu besorgen 
ist. Durchaus ist dieses nicht der Punkt, auf dem Frankreich mit 
seiner Kraft operieren kann. Mit geringer Anstrengung kann hier 
Rußland in Verbindung mit Dänemark den Franzosen das Gleich- 
gewicht halten. Der Kaiserhof kann die Drangsale des Krieges nicht 
auf seine Erblande ziehen, um sie von Norddeutschland abzuwenden, 
welches seit 1795 den Reichsverband aus den Augen setzte und die 
gemeine Sache Europas verließ. 

Sobald Bonaparte in einen Krieg mit Österreich verwickelt 
würde, so würden höchstwahrscheinlich, ja gewiß die Franzosen 
Norddeutschland räumen und Österreich hätte sich den furchtbarsten 
Krieg zugezogen, um Hannover zu befreien und dem preußischen 
Handel die Mündungen der Elbe und der Weser wieder zu öffnen. 



— 2-i — 

Eine französische Invasion der türkischen Provinzen im 
Adriaticum gehört zwar nicht unter die unmöglichen, aber doch 
immer unter die unwahrscheinlichen Ereignisse. In keinem der 
italienischen Häfen im Adriaticum haben die Franzosen eine solche 
Anzahl von Schiffen, daß sie auch nur ein Korps von 5000 bis 
6000 Mann überschiffen könnten. Wollten sie aus verschiedenen 
Häfen die Schiffe in einen zusammenbringen, so könnten diese An- 
stalten der Wachsamkeit der englischen Flotte nicht entgehen und 
gesetzt auch, die kurze Überfahrt von Ancona, Taranto etc. gelänge 
ohne merklichen Unfall, so wäre doch die Truppe von dem Augen- 
blick an ebenso abgeschnitten, wie es die Armee in Ägypten war; 
und so zerrüttet auch die Pforte in ihrem Innern ist, so fänden 
doch die Franzosen in der europäischen Türkei weit mehr Wider- 
stand von den mächtigen Paschas, deren ganze Existenz auf dem 
Spiele stände, als von den kleinen Beis in Ägypten. In der euro- 
päischen Türkei wären die Franzosen von allen Seiten Angriffen 
ausgesetzt, anstatt daß ihnen, wie in Ägypten, sobald sie von 
Elarisch und Suez Meister waren, von seiten des festen Landes nicht 
mehr beizukommen war. 

Eine so große Macht, als Bonaparte nach Ägypten führte, kann 
nicht leicht nach Griechenland herübergeschifft werden. Eine ge- 
ringere, ohne Verstärkung, könnte selbst den Paschas nicht hin- 
reichend Widerstand leisten. Und dann ist es unbezweifelt, daß eine 
solche Landung Rußland, welches offenbar dabei am meisten inter- 
essiert ist, augenblicklich zum Kriege bestimmen würde, umsomehr, 
als hier Frankreich der schwächere Teil wäre. Es kann doch dem 
französischen Kabinett nicht entgehen, daß eine solche Landung 
einen Krieg mit Rußland und der Pforte zur unmittelbaren Folge 
haben würde und den französischen Levantehandel mit einem 
Schlage ganz zu gründe richten müßte. 

Gesetzt endlich, daß Frankreich wider alle Erwartung gegen 
sein eigenes Interesse diesen unklugen Schritt unternähme, so ist 
zu erwägen, ob man diesseits die Franzosen einerseits, die Eussen 
und Türken anderseits kämpfen lassen dürfe, um dann mit ge- 
sammelten Kräften eine nachdrucksvolle Mediation zu übernehmen. 

Überhaupt verdient das von Rußland aufgestellte und von der 
geheimen Hof- und Staatskanzlei adoptierte Axiom, „daß Österreich 
nie auf einen soliden Frieden mit Frankreich rechnen könne", doch 
einige Betrachtungen. 



— 25 — 

Eine Erholung auch nur von einigen Jahren könnte Österreich 
von anendlichem Vorteile sein: denn wenn auch eiu Krieg nicht 
könnte vermieden werden, so doch in unserem Innern durch eine 
verbesserte Administration die Umstände so gebessert werden 
könnten, daß dieses schon an und für sich mehr wert wäre als die 
bedeutendste Allianz dermalen. Die Konskription im Yenetianischen 
müßte mittlerweile organisiert und selbst die Herrschaft im Lande 
mehr konsolidiert werden. Der Nachwuchs in den konskribierten 
Erblanden, in Ungarn, in der Grenze, wird sieh dann mehr erholt 
haben. In der Zeit von drei Jahren kann der Staat auf 200.000 
Mann mehr als gegenwärtig zählen. Mittlerweile müßte man größere 
und bessere Schritte in den Finanzen machen und dem Kredit 
wieder aufzuhelfen suchen. 

Die Preise der Dinge, welche jetzt auffallend höher als selbst 
bei Schluß des Krieges stehen, könnten durch bessere Anstalten 
sich mindern und dadurch könnte auch dann ein Feldzug - minder 
kostspielig werden. Mit einem Wort, man gewänne Zeit, daß die 
Monarchie sich doch einigermaßen wieder erholen und ihre Kräfte 
sammeln könnte. 

Wenn man daher auch als gewiß annehmen will, daß in 
einigen Jahren der Krieg unvermeidlich sein werde, so ist doch 
wohl zu erwägen, daß man durch drohende Verbindungen den Krieg 
jetzt gleich unvermeidlich machen kann — jetzt, in einem Zeit- 
punkte, wo di«' Monarchie sich in der übelsten Lage befindet. 

Selbst im Dezember 1800 hatte Europa keine so üble Opinion 
von den österreichischen Finanzen als jetzt. Das In- und Ausland 
hat jetzt zu den Finanzen gar kein Zutrauen, daß die Bankozettel, 
welche in der letzten unglücklichen Krisis nach dem Tage bei 
Hohenlinden bei weitem nicht 20% verloren, jetzt 35% verlieren. 
Man sehe den Kurs vom 1. Februar 1804 in der „Wiener Zeitung" 
vom 4. Februar. 

Das in den bisherigen Betrachtungen erwiesene Resultat be- 
steht in folgendem : 

1. Sobald man sich in der angetragenen Art mit Rußland ein- 
ließe, schon die Teilung der Länder entwürfe, die zum Teil nicht 
gegen den Luneviller Frieden vom französischen Gouvernement be- 
herrscht werden, so ist zu besorgen, daß es bei der ersten Spur 
einer solchen Verhandlung zuvorkommen und den Krieg augenblick- 
lich anfangen werde. 



— 26 — 

2. Jetzt ist der Zeitpunkt für einen Krieg mit Frankreich der 
übelste, weil gerade jetzt 

a) Frankreichs physische und moralische Kräfte am höchsten 
gespannt sind : 

b) Österreichs wehrhafte Population erschöpft, die Grenzen wehr- 
los, die Finanzen gelähmt, der Kredit beinahe ganz zernichtet ist. 

3. Der Erfolg eines Krieges wäre höchstwahrscheinlich von 
Italien her, welches entschieden der Hauptkriegsschauplatz wäre, 
ein rasches augenblickliches Vordringen des Feindes, ein demüti- 
gender, übereilter Friede, der wenigstens den Verlust des Venetiani- 
schen kostete. 

4. Auch den Fall angenommen, daß man in Italien siegte, 
könnten die Fortschritte doch nicht so schnell sein, daß große de- 
finitive Resultate für Österreich zu hoffen und die Staatsfinanzen 
den Zeitpunkt eines für Österreich günstigen Falles erwarten könnten. 

5. In Deutschland müßte man sich vorderhand auf eine De- 
fensive beschränken. Ein Rhein-Übergang gegen Elsaß wäre nach 
allen taktischen Ansichten die zweckwidrigste Unternehmung. 

6. Rußland, selbst wenn es aufrichtig, angestrengt, ausdauernd 
und zweckmäßig für Österreich operierte, würde noch nicht die 
Zahl der Mannschaft, über welche Frankreich disponiert, ins Gleich- 
gewicht bringen. Die Vorteile des Lotale und der Zeit blieben 
immer auf Seite Frankreichs. Russische Diversionen nützen Öster- 
reich nichts. 

7. Auf England ist für den Kontinentalkrieg nicht zu rechnen. 

8. Das Resultat des ganzen Krieges würde wahrscheinlich 
nach allen oben angeführten unparteiischen Berechnungen militärisch 
unglücklich sein. 

9. Selbst wenn es militärisch glücklich wäre, so würde doch 
die unmittelbare, augenblickliche, ganz gewisse Folge sein: 

a) augenblickliche, unheilbare Zerrüttung der Finanzen: 

b) Störung des Handels und 

c) des gesamten Nationalwohlstandes; 

d) augenblickliche Zernichtung aller hohen Vorteile, die der 
Friede gerade unter den jetzigen Umständen der Monarchie bietet. 

10. Sowohl die in dem Memoire der geheimen Hof- und 
Staatskanzlei bemerkten als in dem kaiserlich russischen Memoire 
nur ganz generell hingeworfenen Territorialvorteile wären durchaus 
für all dies kein Ersatz. 



— 27 — 

11. Was Rußland und Preußen da für sieh am Ende des 
Krieges durchsetzen würden, könnte für Österreich bedenklich 
werden und die Akquisitionen Österreichs auf der anderen Seite ver- 
hältnisniäßis- aufwiegen. 

12. Die Fälle, für die Rußland die offensive Verbindung- vor- 
schlägt, sind für Österreich teils gleichgültig (eine französische In- 
vasion in Holstein), teils unwahrscheinlich (eine französische In- 
vasion der europäischen Türkei). 

13. Weder Grund noch Zweck des Krieges ist für Österreich 
deutlich. Man würde sich, wie die Sachen dermalen stehen, nur für 
fremd« 1 Staaten opfern. 

Im Gefolge alles dessen reduziert sich das, was in der Wesen- 
heit auf die Anfrage des russischen Kabinetts in militärischer Hin- 
sicht erwidert werden kann, auf das Resultat, daß unter den gegen- 
wärtigen Umständen noch keine Wahrscheinlichkeit und gegründete 
Hoffnung vorhanden sei, schon dermal durch einen Krieg zu dem 
von Rußland proponierten Ziele zu gelangen. 

I)in Formen, unter welchen man Rußland die Unmöglichkeit 
der proponierten .Militäroperation darstelle, ohne die jetzige temporäre 
Schwäche der .Monarchie bloßzugeben, muß man dem Ermessen der 
geheimen Hof- und Staatskanzlei anheimstellen. 

Wien, am 3. .März 1804. 

Erzherzog Karl. 



(Kriegsarehiv, 1805, Kriegsniinisterialakten, XI, 16.) 



Beilage 2. 

Zu Seite 2'2. 



An Seine Majestät den Kaiser und König. 

Die politische Lage Europas wird mit jedem Tage verwickelter, 
die Verhältnisse der Staaten kritischer. Es ist daher dringend, die- 
jenigen Maßregeln, welche die Lage des Staates fordert, tief zu 
prüfen, das System, welches dieser Lage entspricht, zu fixieren, 
und dann durch nichts sich von diesem System abwendig machen 
zu lassen. 

Ich finde mich daher im größten Grade verpflichtet, mit unum- 
wundener Offenheit die schrecklichsten Folgen zu entwickeln, die 
der mindeste, nicht von allen Seiten berechnete Schritt über die 
Monarchie bringen könnte. 

1. 

Eure Majestät fanden bei Allerhöchstdero Regierungsantritt 
unvermeidlich vorbereitet einen Krieg, in dem es nicht, wie gewöhn- 
lich, den Besitz dieser oder jener Provinz, sondern die Existenz des 
Thrones — der Altäre — der ganzen bürgerlichen Ordnung galt. 
Mit ungeheurer Anstrengung der österreichischen Erblande stellten 
sich Eure Majestät einem Strom entgegen, der die ganze bessere 
Kultur Europas zu vernichten drohte. Solange es möglich war, kämpfte 
Österreich für sich weniger, als für Europa. Indessen blieben die 
kleineren nordischen Staaten untätig; Rußland führte den Krieg mit 
bloßen Manifesten; Preußen trat nach dem ersten mißlungenen Ver- 
suche vom gemeinschaftlichen Schauplätze; Spanien mußte ebenso 
schnell seine Kräfte an Frankreich leihen; England, standhaft bis 
zum Ende, subordinierte in seinen Maßregeln oft seinen merkantili- 
schen Absichten die Sache Europas; die übrigen Staaten konnten 
nicht viel mehr als guten, oft auch zweideutigen Willen für den 
allgemeinen Zweck zeigen. Erschöpft von dem zu lange fortgesetzten 
Kampfe schloß Österreich den Frieden von Campo Formio. 

Krauss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 2). a 



— 2 — 

Despotische Behandlung aller minder mächtigen Staaten durch 
Frankreichs übermütige Pentarchen war die Folge dieses Friedens. 
In einem neuen Kriege zeigte Österreich eine von Europa kaum 
möglich geglaubte Kraft 1 ); Rußland trat von dem nur momentan 
betretenen Schauplatz schnell zurück, tat im Zurücktreten gar nichts, 
um Europas Gleichgewicht auch nur einigermaßen zu sichern, und 
tat bald darauf alles, um den Gewalthaber in Frankreich zum un- 
umschränkten Gebieter im südwestlichen Europa zu machen. Dieses 
geschah unter der jetzigen Regierung in Rußland. 

Diese kurze und getreue Skizze der Geschichte des letzten 
Dezenniums mag es anschaulich machen, was man sich von fremden 
Staaten in der Folge versprechen dürfte. 



Auf der anderen Seite hatte der letzte Krieg eine Jßntkräftung 
Österreichs zur Folge, von der die Geschichte des Staates kein ähn- 
liches Beispiel kennt. 

Es ist Täuschung, wenn man die Kräfte der österreichischen 
Monarchie nach ihrem Flächenraum und ihrer Seelenzahl mißt. Die 
Welt, das Ausland mag und soll sich diesfalls täuschen; aber Eure 
Majestät können hierüber in keinem Irrtum sein und sind es auch 
wirklich nicht, denn dieser Irrtum würde nicht den Glanz, sondern 
die Existenz der Monarchie kosten. 

Alle Kräfte des Staates sind durch den letzten Krieg- 
erstickt, gelähmt; alle Lebenssäfte ausgetrocknet; jede 
Kraft im langsamen allmählichen Wiederentstehen. 

Es ist ein Baum, dem alle Äste abgeschnitten sind, dessen 
Zweige langsam ausschlagen und grünen, der nur noch in den 
Wurzeln fest gegründet ist, der zu seinem Gedeihen schonender 
Pflege bedarf. 

Man greife die Wurzeln des Baumes an; er wird wohl in 
seinem Falle kleine Gesträuche niederschlagen, vielleicht den benach- 
barten stärkeren Stamm beschädigen, aber aufrichten wird sich der 
Baum nicht wieder: andere Stämme werden in seinem Erdreich wurzeln. 



*) Teils war damals Österreichs Population und seine^Finanzen bei weitem 
nicht so erschöpft wie jetzt, teils war die Erschöpfung minder sichtbar und 
daher der Kredit höher, teils waren die Zügel der Regierung Frankreichs in den 
Händen der Direktoren außerordentlich erschlafft. Daher das Glück im Feldzuge 
von 1799, das man im Jahre 1800 zu verfolgen zu schwach war. 



Dieses ist das in allen Teilen wahre Bild des österreichischen 
Staates, der Spiegel, worin sein künftiges Schicksal getreu dasteht, 
wenn man nicht auf jede mögliche Art den Frieden zu erhalten 
weiß. Die Idee, den österreichischen Staat zu zerstückeln, ist in dem 
französischen Kabinette nicht neu. Nach Karls des VI. Tode wurde 
sie der Welt ohne Rückhalt gezeigt. Man hat bei den wechselnd 
neuen Formen in Frankreich keinen der alten Pläne vergessen. Wie 
irgend die Umstände für so einen Plan reiften, wurde er hervor- 
gesucht. Bei der jetzigen Schwäche Österreichs würde Bonaparte 
gewiß den geringeren Nachbarn diese Beute zeigen, und es ist unver- 
kennbar, daß Frankreich jetzt weit mehr in der Lage ist, so einen 
Plan zu realisieren als unter Ludwig XV. 

Nur längerer Friede kann die Kräfte der Monarchie wieder ins 
Leben rufen. Jetzt wäre jeder Versuch auf dem Kriegsschauplatze das 
Ringen eines ganz entkräfteten, noch nicht erholten Wiedergenesenden. 

Erlauben Eure Majestät, daß ich hier die Kräfte des Staates 
in ihre Details verfolge und Allerhöchstdenselben von jedem Teil 
ein treffendes Gemälde in der Art entwerfe, wie ich mich durch die 
Geschäftserfahrung selbst zu überzeugen die Gelegenheit hatte. 

3. 

A. Bevölkerung und davon abhängende Rekrutierung. 

Die Population der österreichischen Monarchie beträgt noch 
jetzt über 25 Millionen Menschen. Nach Frankreich und Rußland 
unter allen Staaten Europas weitaus die größte und in Hinsicht der 
Konzentrierung dieser Population unstreitig eine kräftigere Masse 
als die des russischen Staates. Aber man lasse sich nicht durch 
diesen Schein hintergehen. Die Quelle der Rekrutierung ist 
seicht, beinahe ausgetrocknet. Die zum Militär anwendbaren 
Stände zählen Weiber. Greise, Knaben; feuergewehrtaugliche Männer 
fand man bei der Konskription von 1803 nk-ht einmal so viele, als 
notwendig wären, um im Momente des ausbrechenden Krieges die 
Regimenter und Korps auf die systemmäßige Kriegsaugmentation 
zu setzen ! ). 

J ) Im Jahre 1803 fanden sieh in den gesamten konskribierten Erbländern 
nur 83.159 zum Feuergewehr Anwendbare. Die Augmentation der Truppen auf 
den Kriegsfuß machte augenblicklich, ohne die hungarischen und siebenbürgi- 
sehen, dann Grenzregiiuenter und ohne das Fuhrwesen, eine Aushebung von 
108.598 Köpfen notwendig. Vid. : ein lrüherer Vortrag hierüber. 



— 4 — 

Schon im ersten Jahre des Krieges müßte man zum Teil, 
im zweiten Jahre ganz die Armee mit Nachwuchs ergänzen, der, 
den Strapazen physisch noch nicht gewachsen, mehr durch seine 
eigene Schwäche als durch den Feind aufgerieben würde. 

Die wehrhafte Population, welche sich jetzt noch in wenigen 
Jahren erholen kann, würde, falls jetzt ein Krieg ausbräche, auf 
Dezennien hinaus in ihren Quellen beinahe zernichtet werden und 
schon zuverlässig im dritten Jahre des Krieges keine Eekruten mehr 
darbieten x ). 

4. 
B. Wirklicher Stand der Armee. 

Selbst der gegenwärtige Stand der Armee ist nicht von der 
Art, daß er zu einem so furchtbaren Kampfe, als ein Krieg mit 
Frankreich wäre, ermuntern könnte. 

Nach hergestelltem Frieden machte man von allen Seiten die 
Bemerkung, daß die Militärauslagen um eine außerordentliche Summe 
jährlieh höher steigen als in den 1780er Jahren. Nur wenige waren 
billig genug, einsehen zu wollen, daß die ungeheuer angewachsene 
Zahl der Invaliden, Pensionierten, der undienenden Generale, der 
pensionierten Offiziere, die vielen Teuerungsbeiträge etc. die erhöhten 
Preise aller Bedürfnisse viele Millionen verschlingen; daß ein Teil 
dieser erhöhten Militärauslagen für die Staatsfinanzen nur durch- 
laufende Posten seien 2 ). Auch die, welche alles das einsahen, äußerten 
denn doch das gänzliche Unvermögen der Finanzen; man zog alle 
Finanzverbesserungen in die Länge, alles wollte den Finanzen 
auf Kosten des Militäretats aufhelfen. Alles was ich von der 
Möglichkeit künftiger Friedensstörungen in Europa anführte, wurde 
von den Finanzen mit dem Argument der gänzlichen Insuffizienz 
beantwortet und von keiner Seite unterstützt. Eure Majestät gaben 
dem allgemeinen Drängen nach, und allerdings war bei der wirk- 
lichen Lage der Finanzen und bei den Maßregeln, die man 
ergriff und nicht ergriff, die Unmöglichkeit, einen der politi- 



*) Der Umstand, daß die Gralizier noch immer äußerst unzuverlässig sind, 
verdient hier die größte Aufmerksamkeit. Das französische Gouvernement dürfte 
ihnen nur aufs neue das Phantom der Etablierung Polens hinhalten. 

Wenn das Militär dem Ärarium für Postauslagen, für Eisen oder Kupfer 
100 und noch mehr Prozent mehr zahlt als in den 1780er Jahren, so empfangen 
die Finanzen mit der anderen Hand, was sie mit der einen geben. 



— o — 

sehen Konjunkturen angemessenen Militäretat zu unterhalten, ein- 
leuchtend. Es blieb nur die Alternative zwischen den zwei Übeln, 
entweder die Armee direkt zu reduzieren oder indirekt das näm- 
liche zu bewirken durch eine sehr ausgedehnte Beurlaubung auf 
unbestimmte Zeit. Ich schlug Eurer Majestät das letzte vor, weil 
es mit minderem Aufsehen in Europa verbunden wäre. Nur im Ge- 
fühle der gebietenden Notwendigkeit ließ ich mich endlich nach 
langem Dräugen der Finanzen zu diesem Schritte herbei, nur in 
eben dem Gefühle genehmigten ihn Eure Majestät. 

So weniger Wochen es übrigens bedarf, die Beurlaubten von 
der Infanterie sämtlich zu ihren Regimentern zu ziehen, so dürfte 
doch auch diese Frist zu lang sein gegen einen Feind, der jede 
Stunde zum Kampfe bereit dasteht, dessen Truppen an den ganz 
unver wahrten Toren der Monarchie stationiert sind, der in sechs 
Tagen eine der schönsten Erbprovinzen überschwemmen kann. 

Noch nachteiliger würden bei einem schnell ausbrechenden 
Kriege die Folgen der Beurlaubung in Hinsicht auf Kavallerie sein. 
Hier kommt es nicht bloß darauf an, die Mannschaft einzuberufen, 
sondern auch die benötigte Zahl der ßemonten auszuheben, ein 
Geschäft, welches um so mehreren Zögerungen unterliegen würde, 
als die politischen Stellen durchaus gegen alle Wünsche und Be- 
dürfnisse des Militärs einen Geist des Widerspruchs nähren, daß 
man glauben sollte, all das sei den Feinden des Staates abgewonnen, 
was man dem Militär nicht gewährt, worüber Eure Majestät so viele 
dokumentierte Beweise von mir noch wirklich in Händen haben. 

Kurz die ganze Beurlaubung auf unbestimmte Zeit konnte nur 
in der Voraussetzung eines andauernden Friedens genehmigt werden. 
ich hoffte dabei in einigen Jahren, wie sich die Militärauslagen ge- 
mindert und die Finanzumstände gebessert hätten, allmählich dieses 
Beurlaubungssystem wieder verlassen zu können. Wenn von weiten 
die Absicht zum Grunde läge, sich in einen neuen Krieg einzulassen, 
so müßte augenblicklich von diesem neuen Beurlaubungssystem ab- 
gegangen werden, um nur wenigstens den kompletten Friedens- 
stand stündlich bereitzuhalten. Diese Maßregel würde die Finanzen 
jährlich gegen 6 Millionen mehr kosten. 

Bei der jetzigen Lage der Dinge verfängliche diplomatische 
Schritte gegen eine in ihren Entschlüssen und in der Ausführung- 
gleich rasche Macht wagen, hieße geradezu unvorbereitet zu 
einem Kampf auf Leben und Tod herausfordern. 



— 6 



C. Dislokation der Armee. 

Von jeher herrschte in der österreichischen Monarchie die 
Maxime, in Friedenszeiten den größeren Teil der Truppen in jene 
Provinzen zu verlegen, in welchen ihre Verpflegung wohlfeiler zu 
stehen kommt. Dieses mochte ohne Bedenken geschehen, solange 
Österreich von Rußland getrennt, von der Pforte nichts zu fürchten, 
gegen Preußens gleichfalls nicht konzentrierte Macht Grenzfestungen 
der ersten Klasse deckten und Frankreich von der eigentlichen 
österreichischen Monarchie auf beiden Seiten gegen 100 Meilen ge- 
trennt und die Neutralität der Schweiz als ein heiliges Palladium 
respektiert war, solange man sich nur nach jahrelangen außerordent- 
lichen Unglücksfällen eine französische Armee an die Grenzen der 
Monarchie denken konnte. 

Aber seitdem die Scheidewand zwischen Österreich und Ruß- 
land eingestürzt, die Grenze gegen Preußen in einer langen, wehr- 
losen neuen Linie ausgedehnt ist und Frankreichs Heere in 
24 Stunden in Tirol und der Terra Firma kampieren können, seitdem 
müssen alle ökonomischen Eücksichten gegen dem Bedürfnis der 
äußeren Sicherheit bei der Dislokation der Truppen schweigen. 

Besonders fordert die wehrlose österreichische Grenze in Italien 
vis-ä-vis von einer der garniertesten und schikanösesten feindlichen 
Grenze die zweckmäßigsten Vorkehrungen in Betreff der Truppen- 
verlegung in Italien und Tirol sowohl als den zunächst situierten 
rückwärtigen Provinzen. 

Ich habe längst auf diesen Zweck hingearbeitet; die Geheime 
Hof- und Staatskanzlei fühlte die Notwendigkeit diesfäl liger Vor- 
kehrungen. Es mangelte in Tirol und Italien beinahe an allen Unter- 
künften für die Truppe; in Italien konnte in gänzlicher Ermanglung 
einer Landesorganisation diesfalls noch nichts Zweckmäßiges einge- 
leitet werden. 

In Tirol und Steiermark sollte mittlerweile der Anfang mit 
einer zweckmäßigeren Dislokation gemacht werden. Auf ausdrück- 
lichen Befehl Eurer Majestät wurde der Bau eigener Kasernen in 
Innsbruck und Lienz angefangen und in Hall eine Kaserne beinahe 
unter Dach gebracht, als auf einmal die Finanzen kategorisch er- 
klärten, daß sie hiezu nichts weiter beitragen könnten und alle Bau- 
führungen auf einmal mußten eingestellt werden. Die Stände dieser 



Provinz verstanden sich nun zu der unbedeutenden Summe von 
20.000 fl. zum Kasernenbau. Aber mit dieser Summe kann zur 
Unterbringung von drei Eeginlentern in Tirol im Grunde nichts 
getan werden. 

Nach Steiermark wollte ich ein Artillerie- und ein Kavallerie- 
regiment verlegen. Alle Vorschläge diesfalls wurden von den politi- 
schen Behörden durchkreuzt, allen diesseitigen Plänen unüberwind- 
liche Hindernisse in den Weg gelegt. Wie es Eurer Majestät und 
der Geheimen Hof- und Staatskanzlei aktenmäßig bekannt ist, mußte 
ich nach zweijährigen fruchtlosen Sehreibereien das nach Graz be- 
stimmte und zu diesem Zweck 9 Monate lang in der Gegend von 
Wien aufgehaltene Artillerieregiment nach Böhmen zurückbeordern, 
einem Lande, wo nebst der ansehnlichen Garnisonsartillerie noch 
ein komplettes Feldartillerieregiment verlegt ist; und wenn es heute 
zu einem Krieg in Italien käme, so wäre im Augenblick auf 
100 Meilen zurück kein Artillerieregiment und ehe diesfalls Ab- 
hilfe getroffen wäre, könnte das Schicksal eines Feldzuges ent- 
schieden sein. 

6. 

D. Grenze gegen Frankreich, ihr jetzt noch entblößter 

Zustand. 

Noch weit beunruhigender ist der Anblick der österreichischen 
Grenze gegen Frankreich; kein haltbarer Platz von der Etsch an 
bis an die Residenz: im Grunde nicht einmal ein Platz, in dem 
man die Vorräte aller Art gegen eine feindliche Invasion schützen 
könnte! Die jetzt so notwendigen Befestigungen an der äußeren 
Grenze Tirols noch nicht hergestellt! In Tirol selbst noch kein 
Waffenplatz, keine Festung, welche als Depositorium für die Mund- 
und Kriegsvorräte aller Art dienen, und von wo aus die in den 
Klüften und auf den Gipfeln des Landes fechtenden Truppen ver- 
sehen werden könnten. Solange die Finanzen noch ein jährliches 
Defizit von mehreren Millionen ausweisen und über die Unmöglich- 
keit, mit den laufenden Militärerforderriissen aufzukommen, ver- 
legen waren, konnte von einer solchen extraordinären Auslage keine 
Rede sein. 

Die Finanzen müssen hier noch Millionen herschießen, um die- 
jenigen Vorbereitungen zu treffen, welche in Italien zur Offensive und 
Defensive gleich unentbehrlich wären und auch bei aller Anstrengung 



— 8 — 

der Finanzen sind zur Vollendung dieser Maßregeln immer einige 
Jahre erforderlich. 



E. Noch lange nicht hinreichend ergänzte Kriegsvorräte. 

Am Schlüsse des Krieges fand ich die Kriegsvorräte jeder 
Art ganz erschöpft; ihre ßetablierung war und ist noch eine der 
vorzüglichen Ursachen der den Finanzen so empfindlichen hohen 
Gelderfordernisse für jedes Jahr. Wegen dringender Finanzbedürfnisse 
mußte man alle diese extraordinären Beischaffungen auf mehrere 
Jahre repartieren — in 4 bis 5 Jahren erst werden die Monturs- und 
Naturalienvorräte auf die systemmäßige Quantität gebracht sein; 
noch mehrere Jahre sind notwendig, um die Armee mit neuen Ge- 
wehren zu versehen. Die Montursbedürfnisse könnten wohl um gar 
keinen Preis so schleunig beigebracht werden; die Naturalien- 
beischaffung wäre mit um so größeren (Schwierigkeiten verknüpft, 
weil gerade die Provinzen, in denen sich die Armeen konzentrieren, 
die unfruchtbarsten der Monarchie sind, und die Viktualien, die 
gerade jetzt im Preise zu fallen anfangen, sobald ein Krieg aus- 
bräche, augenblicklich auf ungeheure Preise steigen würden. Bald 
würde es der Armee an allen Bedürfnissen fehlen. 



F. Gänzliche Zerrüttung der Finanzen. 

Die Eurer Majestät neuerlich vorgelegten Finanzausweise fürs 
Jahr 1804 liefern die traurige Überzeugung, daß noch immer trotz 
Beurlaubungen und beschränkter Beischaffung der Kriegsvorräte die 
kurrenten Staatsbedürfnisse nicht ganz bedeckt sind. Was würden 
erst für Verlegenheiten entstehen, wenn auf einmal ein neuer Krieg 
ausbräche, der ohne die augenblicklichen Vorbereitungen, welche in 
dem ersten Augenblicke weit über 20 Millionen zu stehen kämen, 
einen jährlichen höheren Aufwand von mehr als 100 Millionen 
brächte? Man darf sich auch diesfalls nicht täuschen; man darf 
selbst auch nicht einmal mehr von den Kosten eines Feldzuges im 
vorigen Dezennium auf die Erfordernisse für einen jetzt zu erfolgenden 
schließen. Selbst in den unglücklichsten Perioden des letzten Krieges 
stieg der Verlust der Bankozettel gegen bares Geld nie bis auf 
20°/ ; jetzt, nach 3 Friedensjahren, beträgt dieser Verlust 34 — 35°/ ; 



— 9 — 

das bare Geld war selbst in dem letzten Jahre des Krieges nie so 
ganz aus der Zirkulation verschwunden wie gegenwärtig: der Staats- 
kredit war immer noch besser, weil man die Verlegenheit nur für 
temporär, nur für die Zeiten des Krieges dauernd betrachtete. Jetzt 
hat Europa die Beobachtung gemacht, daß auch in Friedenszeiten 
die Finanzen nicht hinlänglich gedeckt sind. Der Kurs der Banko- 
zettel würde daher vom Augenblick eines neu ausbrechenden Krieges 
auf eine nicht zu berechnende Tiefe herabsinken. Schon jetzt, mitten 
im Frieden, suchen österreichische Partikuliers ihre Gelder in 
fremden Fonds unterzubringen: so wenig Zutrauen hat man jetzt 
zu den Finanzen. Und wer darf je hoffen, daß der Staat, wenn 
jetzt ein Krieg ausbräche, noch Kredit finden würde? Erwägt man 
nun noch, daß jetzt im Frieden alle Bedürfnisse in ungleich höheren 
Preisen stehen als unmittelbar vor dem Schluß des Krieges und 
daß diese prctia rerum mit dem Ausbruch eines neuen Krieges außer- 
ordentlich steigen würden, so wird man sich leicht überzeugen, daß 
wenn im letzten Dezennium ein Feldzug auf 110— 130 Millionen zu 
stehen kam, jetzt einer wenigstens auf 160 — 180 .Millionen zu stehen 
kommen würde. 

Daß die Höhe dieser Bedürfnisse noch von keinem Manne in 
der Monarchie gewürdigt, von keinem mit den möglichen Ressourcen 
verglichen worden sei, bin ich vollkommen überzeugt. Woher man 
diese außerordentliche Summe schöpfen könnte, wird zuverlässig 
niemand zu bestimmen wagen. Auch da muß man sich nicht durch 
das, was gegen den Schluß des letzten Dezenniums geschah, irre- 
führen lassen. Bis auf die Jahre 1796 und 1797 hatte in der öster- 
reichischen Finanzverwaltung wenn auch kein spekulativer Geist, 
wenigstens doch einige OrdnuDg geherrscht: die Masse der Banko- 
zettel hatte sich bis dahin in einer wirklich mäßigen Proportion 
vermehrt. .Man half sich daher bei dem Wiederausbrueh des Krieges 
damit, daß man zu außerordentlichen Summen neue Bankozettel 
ausschnitt und so den größeren Teil der Kriegsbedürfnisse deckte. 
Durch die 2 Kriegsjahre 1799 und 1800 und noch mehr durch die 
Operationen seit dem Frieden hat sich die Masse der Bankozettel 
so vermehrt (das Publikum glaubt ihrer noch weit mehrere im Um- 
lauf, als wirklich zirkulieren) und das Zutrauen zu diesem Papier- 
geld ist allgemein so ganz gesunken, daß man durchaus von diesem 
Mittel keinen Gebrauch mehr machen kann, wenn man nicht sich 
der Gefahr eines augenblicklich ausbrechenden totalen Bankerotts 



— 10 — 

und im Gefolge desselben einer gänzlichen Stockung aller Geschäfte 
und einer Revolution im Inneren exponieren will. Wie man außer 
diesem Mittel jährlieh 120, wie man nur 60 oder 50 Millionen (wenn 
man auch auf reiche Subsidien die wankende Hoffnung bauen wollte) 
durch Kredit aufzubringen im stände wäre, würde wohl jetzt mitten 
im Frieden eine nicht zu lösende Aufgabe sein. Und was bei 
dieser Finanzzerrüttung aus den militärischen Operationen werden 
müßte, fällt gewiß von selbst in die Augen. 



6r. Notwendige Erholung des Viehstandes und jeder Art 

der Industrie. 

Der Viehstand in der Monarchie hat durch den letzten Krieg 
außerordentlich gelitten. 

a) Alle Anstalten zur Veredlung der Landespferdezucht 
kamen während des Krieges ganz zurück; seit dem wiederherge- 
stellten Frieden ist man wenigstens von Seite des Kriegsdepartements 
bemüht, das Versäumte zu redressieren, aber die Verlegenheiten der 
Finanzen gestatteten auch hier nur langsames Vorsehreiten. Wenn 
der Krieg auch nur einige Jahre dauern sollte, so würde man selbst 
mit allen gewaltsamen Maßregeln die benötigten Remonten im In- 
lande nicht mehr aufbringen, und die auswärtigen Provinzen, aus 
denen man die Armee remontieren könnte, wären teils vom Feinde 
besetzt, oder wenigstens kupiert. 

6) Vielleicht noch größere Schwierigkeiten würden in betreff 
des Rindviehes sich ergeben. Die große Konsumtion bei den 
Armeen während des letzten Krieges. Viehseuchen und vielleicht 
noch mehr die außerordentlich erweiterte Schafzucht haben in Ungarn 
den Stand des Hornviehes außerordentlich herabgesetzt. Dieses 
Königreich, welches ehemals einen beträchtlichen Teil Italiens mit 
Hornvieh versah, deckt jetzt mit Mühe die Bedürfnisse der Residenz. 
Die neuesten Verlegenheiten in der Residenz und in einigen 
Gegenden in betreff des Fleisches geben eine äußerst besorgliche 
Aussicht, wenn es zu einem Kriege kommen sollte. 

Die Unterstützung, die man hierinfalls aus der Moldau erhält, 
müßte bei dem Ausbruche des Krieges unter anderen Ursachen 
auch schon darum wegfallen, weil dieser Handel nur mit Konven- 
tionsgeld geführt werden kann. Sobald ein Krieg ausbräche, würde 



— 11 — 

jeder, der Konventionsmiinzen besäße, sie für künftige Notfälle ver- 
sehließen, da jedermann in banger Erwartung einem gänzlichen 
Unwert alles Papiergeldes entgegensehen würde. Entweder die 
Armee würde gänzlichen Mangel an Schlachtvieh leiden oder man 
müßte gewaltsam den erbländischen Viehstand in seinen Keimen 
auf Dezennien hinaus zerstören. 

c) Selbst der Ackerbau müßte außerordentlich leiden, nicht 
nur weil alle kräftigen Hände zum Wehrstande müßten gezogen 
und Pferde und Ochsen zur Armee abgegeben werden, sondern 
größtenteils auch darum, weil der Krieg so mannigfaltige Veran- 
lassungen zu Spekulationen darbietet, welche für den Staat ebenso 
nachteilig als für den Partikulier gewinnvoll sind, daß nicht leicht 
jemand seine Kapitalien auf landwirtschaftliche Verbesserungen ver- 
wenden wird. Diese Bemerkung gilt im nämlichen Maße von allen 
Zweigen der Rural- und kommerziellen Industrie. 

Eine besondere Aufmerksamkeit aber verdient die Betrachtung, 
daß die Militärgrenze, wenn aufs neue, ehe sich die wehrbare 
Population erholt hat. die Mannschaft gegen den Feind ziehen 
müßte, ohne Rettung zu gründe gerichtet wäre. 

10. 

IL Das Venezianische ist noch nicht organisiert. 

Einer hohen Rücksicht würdig ist der Umstand, daß die dem 
feindlichen Überfall zuerst exponierte Provinz, das Venezianische, noch 
bis jetzt keine Organisation hat. Die Folge, daß der Armee eine 
Population von mehr als 1V 2 Millionen in betreff der Rekrutierung 
entginge, wäre diesfalls bei weitem noch nicht die bedenklichste. 

Die Rückerinnerung an die ehemalige Existenz als eigener 
Staat ist noch zu neu, die Idee bis jetzt noch durch keine entgegen- 
gesetzte feste Form verdrängt, so manche Menschenklassen fänden 
ihre Interessen dabei oder glaubten es wenigstens aus National- 
eitelkeit dabei zu finden, wenn die Republik retabliert würde. Ein 
einziger entscheidender Sieg der Franzosen an der Etsch oder Brenta 
könnte in wenigen Tagen bei dem allgemeinen, offiziell und durch 
alle Privatnachrichten bestätigten Mißvergnügen in diesen Provinzen 
eine neue Republik ins Leben rufen, an der man einen hartnäckigen 
Feind mehr zu bekämpfen hätte und deren Wiederumschaffung zur 
österreichischen Provinz nie zu erwirken wäre. 



— 12 



11. 



/. Der Kriegsetat in Siebenbürgen ist noch nicht konsti- 
tuiert, in Ungarn noch nicht hinlänglich konsolidiert. 

Wenn im Falle eines wieder ausbrechenden Krieges die auf 
das höchste gespannte Totalmasse der österreichischen Staatskräfte 
noch immer nicht geeignet ist, irgend eine beruhigende Aussicht 
über den Erfolg des Kampfes zu gewähren, so ist gewiß der Um- 
stand höchst besorglich, daß man in Kücksicht von beinahe der 
Hälfte dieser Masse nicht einmal bestimmen kann, bis auf welchen 
Grad sie in tätige Kraft gesetzt werden könne. 

In Siebenbürgen ist über die Ergänzung der Truppen eigent- 
lich noch gar nichts konstituiert. Zwar werden drei Regimenter als 
siebenbürgische Nationalregimenter betrachtet, aber noch bis jetzt 
hat sich das Land noch nie konstitutionell zu etwas Permanentem in 
betreff der Ergänzung dieser Eegimenter eingelassen. Die Komplet- 
tierung beruht im Grunde auf Werbungen, deren Ergiebigkeit immer 
nicht verläßlich ist. Die allmähliche Stellung der im letzten Kriege 
versprochenen 1660 Rekruten wird verweigert, unter dem Vorwande, 
sie seien bloß für diesen Krieg ausgeschrieben worden. Das 
Regiment Jellachich hat bis jetzt noch kein Nationale und keinen 
Fleck zu seiner Ergänzung. Das Resultat der ganz neuen Zusammen- 
tretung zwischen dem Hofkriegsrat und der siebenbürgischen Hof- 
kanzlei, soviel guten Willen auch der siebenbürgische Hofrat Herr 
Graf Esterhazy zeigte, läuft denn doch im wesentlichen dahin aus, 
daß ohne einen Landtag nichts von festem Erfolg sich versprechen 
lasse. Einen Landtag zu berufen hält der siebenbürgische Herr Hof- 
kanzler selbst in Friedenszeiten mit größtem Recht für bedenklich: 
um wie viel mehr würde dieses der Fall sein, wenn die Streitkräfte 
der Monarchie mit dem Feinde beschäftigt und dem Monarchen an 
den Bewilligungen der Stände so dringend gelegen wäre. 

Gleiche Umstände treten in Ungarn ein. Zwar haben auf dem 
letzten Landtage die Stände die Komplettierung von 12 Infanterie- 
und 10 Kavallerieregimentern übernommen und bei einem aus- 
brechenden Kriege für den ersten Moment 12.000 Mann zu stellen 
versprochen, aber für den Verlauf des Krieges durchaus jede Ver- 
pflichtung selbst zu der in Friedensjahren übernommenen Rekrutie- 
rung hartnäckig abgelehnt. Man kann daher für den Fall eines 
Krieges auf Ungarn ohne Landtag gar nichts zählen und das Be- 



— 13 — 

nehmen der Stände auf dem letzten Landtage verspricht nichts Tröst- 
liches für den Fall, daß man in einem Kriege wegen des Mangels 
an wehrbarer Mannschaft in den übrigen Erblanden Ungarns am 
meisten bedürfte und die ungarischen Stände eben deshalb ihre 
Wichtigkeit fühlen würden. Auf dem letzten Landtage zeigte sich 
unverkennbar die Tendenz der Stände, jedem königlichen Wunsche 
zu widerstreben und vorzüglich in allem den Monarchen von ihrem 
guten Willen abhängig zu machen. Im ganzen äußerte sich weder 
Patriotismus noch Liebe für den Monarchen, sondern Ringen nach 
ständischer Präponderanz, und dieses Ringen nicht einmal mas- 
kiert. Wo es mit diesem Streben am Ende hinauswolle ist viel- 
leicht manchem noch nicht klar. Aber man lasse es zu einem 
Kriege und den König in eine bedeutende Verlegenheit kommen 
und alles wird Bestimmtheit erhalten. 

Auswärtige Kriege sind Usurpatoren erwünscht, aber sehr oft 
bedenklich für Souveräne, welche durch konstitutionelle Formen be- 
schränkt sind. Die Insurrektion der Niederländer wäre wahrscheinlich 
ohne den Türkenkrieg nie ausgebrochen, ohne den lange dauernden 
spanischen Sukzessionskrieg hätte Rakoczy nie soviel Anhang gefunden 
noch seinem Aufstand eine solche Ausdehnung zu geben vermocht. 

12. 

Wenigstens noch einige Jahre des Friedens könnten in all 
diesen Rücksichten die Lage der Dinge zum Vorteile Österreichs 
außerordentlich ändern. Selbst jedes einzelne Jahr ist unermeßlicher 
Gewinn. In 4 — 5 Jahren wird der Nachwuchs wehrbar; die zu 
ausgedehnte Beurlaubung, besonders bei der Kavallerie, kann wieder 
beschränkt werden, wie sich die Militärausgaben in etwas mindern. 
Man muß und wird denn doch auch Anstalten treffen, um den 
Truppen in Italien, Tirol und Innerösterreich eine Unterkunft zu 
verschaffen und die Westgrenze der Monarchie mittlerweile mit 
einigen Festungen zu decken. In etwa 4 Jahren werden die Kriegs- 
vorräte an Naturalien ergänzt, die Fuhrwesenrequisiten beigeschafft, 
für die Montierung der Armee Maßregeln genommen und der größte 
Teil der Truppe mit Gewehren der neuen Art versehen sein. Ist 
man einmal mit allen diesen Vorbereitungen im reinen, dann läßt 
sich doch noch ein günstiger Erfolg eher als möglich denken; 
ohnehin ist bis dahin das Andenken an die Unglücksfälle des letzten 
Krieges bei der österreichischen Armee größtenteils erloschen. 



— 14 — 

Wenn mittlerweile für die Finanzen bedeutende und zusammen- 
hängende Operationen unternommen, dadurch der Welt eine bessere 
Opinion von der Suffizienz der österreichischen Ressourcen und von 
dem Ordnungsgeist in der Verwaltung beigebracht wird, so wird 
sich bei fortwährendem Frieden der Kurs heben, die Preise der 
Dinge werden dadurch von selbst fallen ; und so werden die Finanzen 
eher im stände sein, die unvermeidlichen Kosten eines Krieges zu 
tragen. Jede Art der Industrie wird sich von selbst in der Monarchie 
erholt und gehoben haben und daher durch die in jedem Kriege 
unvermeidliche Stockung nicht ganz zu gründe gerichtet werden. 

Die Organisation des Venetianischen muß doch vollendet 
werden. Vorzüglich aber sollten in Siebenbürgen und Ungarn Land- 
tage zweckmäßig vorbereitet und auf selben für den Fall eines 
Krieges die allernotwendigsten Maßregeln sanktioniert werden. 

13. 

So viele Gründe bei näherer Prüfung der österreichischen, teils 
jetzt anwendbaren, teils erst neu werdenden Staatskräfte sieh auf- 
drängen, den Ausbruch eines Krieges soweit als möglich hinaus- 
zuschieben, ebenso viele und nicht minder wichtige zeigen sich, 
wenn man einen Blick auf Frankreich wirft. Noch sind die franzö- 
sischen Herren trunken von den Siegen, deren Nachhall nur all- 
mählich erlischt. Noch ist die Nation voll von der exaltierten Idee, 
daß ihr nichts mißlinge; bei dieser Idee erlaubt sich die Eegierung 
alles und Europa duldet betäubt alles; eine neue Begentendynastie, 
wenn auch von einem großen Teil der Nation wegen Usurpation 
gehaßt, hat doch bei dem gewiß größeren den Nimbus der wieder- 
hergestellten Nationalgröße, des errungenen Kontinentalfriedens fvS 
sich. Bonaparte und seine Familie haben die ganze Staatsverwaltung 
so an sich gezogen, daß nicht nur die höchste Gewalt mit der un- 
gebundensten Unumschränktheit in den Händen des ersten Konsuls 
ist, sondern auch alle Fäden der Verwaltung in den Händen seiner 
Verwandten, seiner Verschwägerten oder wenigstens solcher Menschen 
sich befinden, die alles nur durch ihn sind. Es läßt sieh nicht ver- 
kennen, daß alle Fugen der Staatsverwaltung in Frankreich in einer 
kraftvollen Harmonie wie in keinem anderen Staate Europas wirken. 
Diese so geschickt kombinierte Harmonie ist noch neu genug, daß 
mit all dem rastlosen Eifer, den Neuheit erzeugt und nährt, gewacht 



— 15 — 

wird, sie handzuhaben. Ein Kontinentalkrieg würde alle Kräfte 
und Parteien in Frankreich ebenso vereinigen wie sie die National- 
tätigkeit neu beleben würde. Dabei kommt noch zu bedenken, daß 
jetzt gerade eine neue Konspiration gegen Bonaparte zerstäubt 
worden. Alles zittert vor dem Schein, als ob man Bonapartes Größe 
nicht huldige, alles würde jetzt mit so regerem Eifer die Befehle 
der Regierung vollstrecken, um ja nicht dem leisesten Verdacht sich 
zu exponieren. Auf eine Partei in Frankreich könnte man jetzt 
weniger als je rechnen, weil es wieder ejner geraumen Zeit bedarf, 
ehe die Mißvergnügten sich kennen lernen und sich trauen. 

Jetzt dürfte daher für einen dritten Staat gerade der gefähr- 
lichste Moment sein, mit Frankreich sich in Krieg einzulassen. 

Wenn durch einige Jahre die französische Tätigkeit an der 
Macht der Elemente sich gelahmt hat, wenn durch die beinahe 
gänzliche Zernichtung des Handels und durch andere Lasten des 
fortwährenden Seekrieges sowohl die Staatskräfte geschwächt und 
der Wohlstand der Privaten sich gemindert hat, wenn die Zügel 
der Regierung etwas schlaffer werden, das Mißvergnügen lauter und 
allgemeiner in Frankreich ausbricht und in Österreich in allen 
Administrationsbranchen Tätigkeit, Kraft, Patriotismus, Talente eine 
bessere Lage der Dinge im Innern werden herbeigeführt haben, 
dann dürfte es eher an der Zeit sein, daß das erholte, gesammelte 
Österreich im Not falle noch einmal den Kampf begänne. 

14. 

Jetzt würde jeder Unbefangene bei einem wieder ausbrechenden 
Kriege gegen Frankreich der österreichischen Monarchie Unglück 
vorhersagen, bei dem gänzlichen Mangel an wehrbaren Menschen, 
an Kriegsbedürfnissen und an Geld. Eine oder zwei Niederlagen 
müßten die Monarchie an den Rand des Verderbens führen, da 
der Feind durch nichts aufgehalten würde und Österreich gar keine 
Ressourcen hätte, um seinen Verlust zu ersetzen. 

Selbst im Falle, daß die österreichischen Heere siegten, würde 
nichts gewonnen, da nur eine lange Reihe von Siegen einen be- 
deutenden Erfolg möglich machten und Österreich jetzt in allen 
Teilen seiner Staatskräfte so gelähmt ist, daß es nicht einmal seine 
Siege zu verfolgen, viel weniger einen Unglücksfall zu redressieren 
im stände wäre. 



— 16 — 

Wenn endlich, was nicht als möglich zu erwarten ist, der 
Krieg sogar zu einem nicht unglücklichen Ende geführt würde, so 
wären doch jedenfalls Österreichs Kräfte in jeder Eücksicht so zer- 
nichtet, daß es sich in Jahrhunderten in seinem Innern nicht wieder 
erholen, viel weniger an irgend einer europäischen Staatenangelegen- 
heit Anteil nehmen könnte. 

15. 

Ich glaube es hier nicht erst auseinandersetzen zu dürfen, daß 
man auch auf Allianzen keine Hoffnungen eines besseren Erfolges 
bauen könne. Ich habe Eurer Majestät in einem früheren Vortrage 
meine Ansichten darüber vorgelegt, daß auf England in Kontinental- 
kriegen nicht zu zählen sei; daß Kußlands Hilfe gleich anfangs zu 
ferne wäre, um dem raschen Vordringen einer französischen Armee 
Einhalt zu tun, daß die russischen Diversionen für Österreich von 
gar keiner Bedeutung wären, daß mit aller Unterstützung, die man 
je von Rußland hoffen könnte, man noch nicht einmal an der Zahl 
der Oombattans der französischen Macht gleichkäme, ohne die Vor- 
teile des Lokals, der leichteren Ergänzung und der Einheit in Be- 
schlüssen sowohl als in der Ausführung zu erwähnen. Ich habe 
Eurer Majestät mit Darstellung des Benehmens des St. Petersburger 
Kabinetts bemerkt, wie wenig aufrichtiges Wirken auf einen gemein- 
samen Zweck von Kußland zu erwarten sei, wie viel dem russischen 
Hofe daran liegen müsse, daß Österreich durch neue Kriege sich 
aufs äußerste schwäche. 

Ein ganz neues Beispiel liefert denn doch gewiß einen unleug- 
baren Beweis, wie wenig aufrichtig Rußland mit dem kaiserlichen 
und königlichen Hofe zu Werke gehe. Jetzt, gerade im Moment, 
wo Rußland mit den bündigsten Versicherungen seiner Sincerite 
Eure Majestät in einen neuen Kampf mit Frankreich zu verwickeln 
sucht, macht Alexander I. dem französischen Konsul den Antrag, 
gemeinschaftlich die Angelegenheiten der Reichsritterschaft zu 
arrangieren, ohne das Reichsoberhaupt zu benachrichtigen 
tritt der russische Kaiser auf als Schiedsrichter in einer 
Sache, die lediglich für das Forum der höchsten Reichs- 
gerichte geeignet ist! Die Sache bedarf gewiß keines Kom- 
mentars. 



— 17 — 

IG. 

Es ist nicht zu leugnen, daß man sieh von Seite Frankreichs 
gegen alle minder mächtigen Staaten Europas solche Usurpation 
erlaube, welche zu jeder anderen Zeit einen hinreichenden Grund 
zur Kriegserklärung abgegeben hätten. Aber man muß auch nicht 
verkennen, daß Österreich gerade durch das zu lange Ringen sich 
ganz außer stand gesetzt hat. solchen Anmaßungen ein Ziel zu setzen. 

Ein Krieg, jetzt begonnen, würde Österreich auf Generationen 
hinaus alles Gewicht rauben, wenn es auch seine Existenz salvierte. 

Frankreichs Usurpationen würden dadurch nicht nur nicht ge- 
hindert, sondern die einzige Macht, die sich denselben in der Folge 
widersetzen könnte, wäre auf unabsehbare Zeit dazu außer stände 
gesetzt. 

Erholung ist das große Ziel Österreichs. Was diese Erholung 
nicht stört, das muß man für jetzt geschehen lassen, wenn auch 
unter anderen Umständen der österreichische Monarch eine größere 
und würdigere Sprache hätte führen können und müssen. 

Wenn z. B. Frankreich neulich das Territorium deutscher 
Fürsten (welche von ihrem Oberhaupte sich trennten) wie Feindes- 
land überzog, so ist dieses wohl ein Vorgang, den der kaiserliche 
und königliche Hof unter besseren Umständen rügen könnte 
und müßte. Aber die Ausbreitung der Franzosen in Norddeutsch- 
land ist denn doch für Österreichs Interesse keine so bedenk- 
liche Sache, daß man deshalb die Existenz der Monarchie auf das 
Spiel setzen sollte. 

17. 

Es wäre möglich, daß aller Vorsicht ungeachtet der Übermut 
der französischen Regierung den Krieg doch unvermeidlich machte. 
Dann müßten allerdings alle, auch die letzten Kräfte der Monarchie 
aufgeboten werden. Jeder biedere Österreicher müßte sein Alles auf- 
bieten, um das Ganze zu retten. 

Ich darf es gewiß Eurer Majestät nicht erst beteuern, daß ich 
für meine Person auf jeden Wink von Allerhöchstdenselben bereit 
bin, selbst mein Leben für das Wohl der Monarchie und für den 
Ruhm Eurer Majestät zu opfern. 

Aber diese Krisis muß denn doch soviel möglich verhindert 
oder wenigstens verzögert werden. Ein festes Friedenssystem, ein 

Krau ss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 2). b 



— 18 — 

fester, sicherer, berechneter Gang der Diplomatie ist durchaus 
notwendig. Unentschlossenes, unsicheres Wanken könnte zuerst das 
Unheil eines Krieges über die Monarchie bringen. Jede g&gen Frank- 
reich zielende diplomatische Verbindung würde ebenso gewiß bekannt 
werden, als sie auch eine augenblickliche Kriegserklärung des fran- 
zösischen Gouvernements zur Folge haben würde. Je wankender 
eine solche Verbindung, desto gefährlicher. Der Charakter des der- 
maligen Machthabers bürgt dafür, daß er weder die Vollendung der 
Vorbereitungen noch die diesseitige Kriegserklärung abwarten, daß 
er augenblicklich losbrechen würde. 

Das Wohl oder Wehe von 25 Millionen Menschen und ihren 
Nachkommen auf mehrere Generationen .kann gegenwärtig von einem 
einzigen Kurier abhängen. 

Wien, den 12. April 1804. 

Erzherzog Karl. 

(Kriegsarehiv, 1805, Kriegsministerialakten, XI, 16.) 



Beilage 3. 

Zu Seite 27 und 122. 



Operationsplan. 

In der Antwort, welche der russische Hof auf den mitgeteilten 
Plan Österreichs gegeben hat, ließ er sich von der Ansicht, die 
darin vorgezeichnet war, leiten. 

Man hat sich darauf beschränkt, die Punkte zu besprechen, die 
in ihm vorgeschlagen waren, ohne darüber hinauszugehen. 

Aber immer treu seinen Grundsätzen, an der Wiederherstellung 
der Ordnung und des Gleichgewichtes Europas mitarbeiten zu wollen, 
glaubt Rußland, daß endlich der Augenblick gekommen sei, um sich 
auf eine entschiedenere Art zu äußern und zu beweisen, daß, wenn 
auch das Kabinett von Petersburg bisher ruhig geblieben ist. man 
das nur seiner natürlichen Abneigung gegen einen vielleicht un- 
nützen oder nicht genug entscheidenden Krieg zuzuschreiben hat. 
Aber indem es sich zuwartend verhielt, hat es sich in stand gesetzt, 
im Notfalle mit umsomehr Energie zu handeln. 

Jetzt, da Rußland immer mehr und mehr die unausweichliche 
und dringende Notwendigkeit dieses Krieges einsieht, der allein die 
Sicherheit und Unabhängigkeit Europas wiederherstellen kann, 
bietet der russische Hof seinerseits die reichlichsten Hilfsmittel an. 

Hiefür setzt er aber als Tatsache voraus, daß — wenn man tat- 
sächlich übereingekommen ist. den Krieg gegen Bonaparte zu führen 
— es nicht genügend erscheint, seinen stets wachsenden widerrecht- 
lichen Besitzergreifungen ein Ende zu macheu, sondern daß man 
die Franzosen zwingen muß, ganz Italien, die Schweiz, die rechts 
des Rheines gelegenen Länder, Belgien, Holland und Hannover zu 
räumen, und sie hindern muß, diese Länder nochmals zu besetzen. 

Es ist kaum anzunehmen, daß man dieses Ziel durch einen 
gewöhnlichen Krieg erreichen könne, in welchem sich die gegneri- 
schen Kräfte das Gleichgewicht halten würden und wo die Ver- 
teidigungsmittel wechselseitig nach jenen des Angriffes berechnet 
wären, da ein solcher Krieg sich in die Länge ziehen würde und 
Bonaparte die allmähliche Verwendung aller seiner Hilfsmittel, vor 

Kraus s. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 3). 



— 2 — 

allem seiner Lieblingswaffen — Verhandlungen und Bänke — ge- 
statten würde, um dadurch Zwietracht in die koalierten Armeen zu 
tragen, damit sie in dem Maße, als die Operationen wenig fort- 
schritten, überdrüssig würden, sich bald entzweiten und daher auf- 
hören würden, ohne etwas Tatsächliches erreicht zu haben. 

Man muß außerdem erwägen, daß solche Kriege zu kostspielig 
sind, um sie auf die Dauer zu führen. 

Das richtige Mittel, zum Erfolg zu kommen, wäre, dem gemein- 
samen Feinde mit einer so großen Überzahl entgegenzutreten, welche 
es ihm unmöglich macht, allen Front zu bieten. 

Dadurch wird man alle seine Maßnahmen kreuzen und, indem 
man aus diesen ersten Vorteilen Nutzen zieht, wird man es viel- 
leicht erreichen, wenn nicht in ganz Frankreich, so doch in einem 
Teile die Revolution anzufachen und dadurch einen großen Teil 
der Truppen festzuhalten, die soust ihre Verwendung im Felde 
finden würden. 

Zweitens wird der Krieg weniger kostspielig sein. (Um ein 
Beispiel zu geben): 2"(). 000 Manu während zweier Feldzüge kosten 
weniger als 150.000 Mann während dreier Feldzüge, und zwar im 
Verhältnis, als es wahrscheinlicher ist, zu dem angestrebten Ziele 
im ersten Falle zu gelangen als im zweiten. 

Der Krieg wird weniger Menschenleben kosten, denn sobald 
eine ausgesprochene Überlegenheit vorhanden ist, sind die Kämpfe 
weniger blutig. 

Endlich laufen die koalierten Armeen weniger Gefahr, eine 
Sehlappe zu erleiden, weil der Feind keine Zeit hat, sich zu be- 
sinnen, und weil alles vom Anfang an vorwärts geht. 

Betrachtet man die Kräfte Frankreichs, so scheint es nicht 
leicht zu sein, diese große Überlegenheit über sie zu erlangen, docii 
glaubt man dartun zu können, daß diese erreichbar ist, wenn Ruß- 
land, Österreich und England in gegenseitiger Übereinstimmung die 
Mittel aufwenden wollen, welche sie seihst in diesem Augenblicke 
haben, ohne außerordentliche Anstrengungen zu machen. Hiefür 
nimmt man die Kräfte Österreichs mit 250.00U Mann an, die Ruß- 
lands nicht, wie man früher übereingekommen ist, mit 150.000 Mann, 
sondern mit 170.000, ja sogar mit 18'i.00> Mann, welche diese 
Macht ihrerseits beizustellen anbietet und die bereit sind, auf den 
ersten Befehl zu marschieren, falls sich der österreichische Hot' ent- 
schließt, dem Plane zu folgen, der hier detailliert angegeben ist. 



Wenn Österreich den Krieg beginnen wird, wird es dem ersten 
Anprall ausgesetzt sein, und deshalb ist es notwendig, daß ihm 
Rußland unmittelbar zur Hilfe eilt. 

Es werden zu diesem Zwecke 100.000 Mann russischer Truppen 
sofort an der Grenze Österreichs versammelt sein und auf das erste 
Signal marschieren. 

Sie würden zwei Armeen formieren, die eine mit wenigstens 
50.Ü0J Mann, die andere von ungefähr derselben Stärke. 

Die erste wird in Kolonnen in Gewaltmärschen gegen die Donau 
und den Lech auf jenen Punkt vorgehen, auf den man überein- 
gekommen sein wird, um die österreichischen Erbländer zu decken. 

Die zweite wird unmittelbar auf einer anderen Linie folgen und 
in Böhmen einmarschieren. 

Österreich wird Italien von Tirol aus angreifen, und zwar mit soviel 
Truppen, als es aufbringen kann, ohne sich in Deutschland bloß- 
zustellen, wo es sich für den Augenblick defensiv verhalten wird. 

Es ist selbstverständlich, daß die Grenze Rußlands, vor allem 
die Lithauens, sofort mit Truppen wieder besetzt werden würde, um 
die Blöße zu decken, die durch den Abmarsch der zwei oben er- 
wähnten Armeen entstanden ist. Außerdem aber wird Rußland ein 
Korps von 10.000 ^Iann einschiffen lassen, um es nach Stralsund 
zu befördern (in das schwedische Pommern), damit es mit den 
Schweden vereint operiere. 

Indessen werden die 23.000 Russen, die für das Königreich 
Neapel bestimmt sind, an den Ort ihrer Bestimmung gebracht worden 
sein und werden mit Hilfe der neapolitanischen Truppen dieses Teiles 
von Italien Herr werden. 

Damit würden schon über 140.000 Russen in Bewegung sein 
und man würde sich in der ersten Epoche darauf beschränken, daß 
jede Armee auf den bezeichneten Ort gelangt, und zwar 50.000 Mann 
an die Grenzen der österreichischen Erbländer und ungefähr die 
gleiche Anzahl nach Böhmen. 

Letztere wäre bereit, vorzumarschieren oder sich gegen Sachsen 
zu wenden. 

16.000 Mann wären im schwedischen Pommern. 

Dann wird es an der Zeit sein, mit Preußen zu verhandeln. 

Von diesem Moment an hat Preußen von den Franzosen nichts 

mehr zu fürchten und es ist mehr als wahrscheinlich, daß es sich 

angesichts der Lage, in der es sich befinden wird — eine russische 



— 4 — 

Armee in Lithauen vor seiner Front, eine andere in seiner rechten 
Flanke in Böhmen und eine russisch-schwedische Armee in seiner 
linken Flanke — der Koalition anschließen wird und daß ihm auch 
Dänemark. Sachsen, Hessen, Mecklenburg und Braunschweig- folgen 
werden. 

Man zweifelt nicht an dem Erfolg dieser Verhandlung, umso- 
weniger, als die Engländer nicht verweigern würden, dies durch 
eine Truppenlandung an der Weser und der Elbe zu unterstützen. 

Mit dem Anschluß Preußens an die Koalition beginnt die zweite 
Epoche mit einer sehr entschiedenen Überlegenheit über die französi- 
schen Kräfte, wie sie der folgenden Tabelle zu entnehmen ist. 

Es werden angenommen : 

österreichische Armeen 250.000 Mann 

Bussen 140.000 „ 

daran angeschlossen Preußen 100.000 „ 

Schweden 16.000 „ 

Dänen 16.000 „ 

Sachsen 16.000 „ 

Hessen und Braunschweiger 16.000 „ 

Mecklenburger 3.000 „ 

~ 557.000 Mann 

In dem Moment, wo die neue russische Armee an den Grenzen 
Lithauens nicht mehr so stark sein müßte, was dann zutrifft, wenn 
Preußen sich der Koalition auschließt, können von dort sofort bis 
zu 40.000 Mann abgetrennt werden, die durch Preußen durch- 
marschieren, um auf dem kürzesten Wege an die Elbe zu gelangen. 

+ 40.000 

das ergibt 597.000 Mann, 

außer den Truppen, welche England ausschiffen wird, und außer 
den Truppen der kleinen Staaten, deren Zahl nicht in Bechnung 
gezogen ist, die aber immerhin die Kriegsmacht erhöhen. 

Schon mit diesen Kräften kann man die Franzosen auf allen 
Punkten, von Italien bis an die Elbe, angreifen, aber man kann 
noch auf beträchtliche weitere Verstärkungen rechnen. 

Österreich wird mit allen seinen Kräften in Italien und Tirol 
operieren. 

Die zwei russischen Armeen in der Stärke von 100.000 Mann 
zuerst in Schwaben und dann jenseits des Rheins. 



Beim kleinsten Erfolge in Italien wird die Wiederherstellung 
des Königreiches Sardinien und seiner Armee zusammen mit einigen 
anderen Staaten der Lombardei eine Verstärkung der koalierten 
Mächte um 25.000 Mann ergeben, während die russischen Armeen 
in Schwaben eine gleiche haben können, wenn man nur auf 12.000 
Bayern, 8000 Württemberger und 5000 Badenser rechnet. 

Desgleichen wird das russische Korps in Neapel nach der 
Reorganisation der neapolitanischen Armee um 20.000 Mann ver- 
stärkt sein, wozu man noch 5000 Engländer rechnen kann, die den 
Versuch machen können, an einem Punkte der italienischen Küste 
zu landen. Es kann auch eine weitere Unternehmung von 25.0 '0 
Engländern auf einige größere Küstenpunkte Frankreichs, im Kanal 
oder im Mittelländischen Meere stattfinden und somit nach der 
Rechnung eine Verstärkung von 100.000 Mann, die gegen Frank- 
reich allein von dieser Seite her handeln. 

Die 100.000 Preußen werden sich gegen Mainz wenden, die 
Stadt mit 60.000 Mann belagern und den Rest zur Deckung der 
Belagerung oder für einige andere Operationen in diesem Räume 
verwenden. 

Es ist wahrscheinlich, daß die Franzosen in dem Moment, 
wo die Koalition bekannt sein wird, nichts Eiligeres zu tun haben 
werden als Hannover zu verlassen, widrigenfalls es nicht viel Mühe 
kosten wird, sie dort herauszudrängen. 

So wird die Nordarmee, die aus 16.000 Russen, die in Pommern 
gestanden waren, 16.000 Schweden, 16.000 Dänen und 3000 
Mecklenburgern, zusammen 51.000 Mann bestehen würde, gegen 
Holland von Gronningen und von der Yssel vorrücken. 

Die 40.000 Russen, die Preußen durchzogen haben werden, 
dann 16.000 Sachsen und 16.000 Hessen und Braunschweiger 
werden eine zweite Armee von 72.000 Mann formieren, welche 
ebenfalls gegen Holland von der Maas aus vorgeht, um in Brabant 
einzufallen und so jede Verbindung zwischen Frankreich und Holland 
abzuschneiden. 

Die Nordarmee wird dann, vorausgesetzt, daß dies eine Ände- 
rung in letzterem Lande verursacht, im stände sein, es zu durch- 
ziehen, ohne mehr zurückzulassen, als zur Erhaltung der Ruhe not- 
wendig ist, und sich nach Flandern zu begeben. 

Nach der Rückeroberung Hannovers wird man im stände sein, 
die Trümmer seiner Armee wieder herzustellen. Es wären dies 

Kranss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 3). b 



— 6 — 

10.000 Mann, welchen die Engländer noch 10.000 Mann hinzu- 
fügen könnten, die bestimmt waren, an der nördlichen Weser zu 
landen, um Hannover wieder zu besetzen. Das würde noch ein Korps 
von 20.000 Mann ergeben. 

Wenn man einmal Herr von Holland geworden, kann man 
auch auf 15.000 Holländer rechnen, die sich der russischen Armee 
in Brabant oder in Flandern ansehließen würden. 

Also wiederum eine Vermehrung von 35.000 Mann. 

So kann man annehmen, daß für die dritte Epoche das Totale 
der koalierten Kräfte, das in der zweiten Epoche schon 597.000 
Mann ausgemacht hat, durch den in der Zwischenzeit allmählich 
erfolgten Zuwachs von 135.000 Mann auf 732.000 Mann gebracht 
wird, ohne das zu zählen, was die Engländer in den verschiedenen 
Expeditionen hinzufügen können. 

Das Anwachsen der Kräfte und die Diversion, die aus der 
Kriegserkläruug Spaniens und Portugals, auf die man rechnen kann, 
resultiert, wird durch den Kräftezuwachs der kleinen Staaten von 
Deutschland sowie durch die Kraft, die die Befreiung der Schweiz 
ergeben würde, ausgeglichen. 

Wenn man zu alldem hinzufügt, daß die Franzosen in allen 
Ländern, wo sie Fuß gefaßt haben, gehaßt sind und daß alle diese 
Länder nur den Augenblick erwarten, wo sie sich von ihrem Joch 
befreien können, wagt man anzunehmen, daß man mit solchen 
Kräften, selbst wenn man sie nicht alle vereinigen könnte, in zwei 
Feldzügen alles erreichen wird, was man angestrebt hat. 

Der russische Hof hat geglaubt, daß es für den Augenblick 
genügt, eine Generalskizze seines Planes zu geben, und erwartet, 
daß man später die Pläne für die Operationen noch im Detail be- 
sprechen würde, im Moment, als der österreichische und englische 
Hof den Plan im allgemeinen annehmen. 

Der Kaiser von Bußland glaubt nach der loyalen Einleitung 
und den von ihm gemachten Anerbietungen an der Annahme des 
Planes nicht zweifeln zu müssen. 

Diese Anerbietungen werden zum mindesten ganz Europa be- 
weisen, daß Kußland, obwohl es am weitesten von Frankreich ent- 
fernt ist und fast das einzige Land ist, das es nicht unmittelbar zu 
fürchten hat, trotzdem bereit ist. große Opfer zu bringen, um die 
Ruhe Europas auf einer festen Grundlage wiederherzustellen. 

(Kriegsarehiv, 1805, Deutsehland PA, VII, 29.) 



Beilage 4. 

Zu Seite 119. 



Betrachtungen 

über die Vorbereitungen und künftigen Operationen der verbündeten k. k. und 

k. russischen Armeen. 

1. Von der Zahl der beiderseits anzuwendenden Truppen. 

Beider Herabsetzung des russischen Beitrages auf HO.Oi .Mann 
ist es allerdings um so wesentlicher notwendig, daß diese Armee in 
vollzähligem Stand ihre Grenzen verla-se und daß sie während des 
Feldznges nach jedem beträchtlichen Verlust schleunig genug wieder 
ergänzt werde. Über die Vollzähligkeit derselben bei ihrem Aus- 
marsch sollte wohl nicht zu zweifeln sein; die schleunige Kom- 
plettierung aber während des Feldzuges läßt sich keineswegs an- 
hoffen, wenn nicht eine besondere Vorsicht dafür getroffen wird, die 
meines Wissens in dem russischen Kriegssystem ni. ht besteht. Diese 
Vorsicht wäre, daß der Armee auf eine nicht sehr beträchtliche 
Distanz, z.B. in der Entfernung von 1U bis 12 Märschen, stets eine 
verhältnismäßige Reserve von Rekruten nachziehe, die nach der 
Stärke jener Armee auf beiläufig 

10.000 Mann 
angenommen werden könnte. Eine zweite solche Reserve aber müßte 
stets an den dem Kriegstheater nächstliegenden russischen Grenzen 
aufgestellt sein, um jener vorgeschobenen Reserve von Zeit zu Zeit 
wieder zu ersetzen, was sie an die Armee abgegeben hat. während 
als sie selbst ihren Ersatz sich durch Aushebung aus ihren Pro- 
vinzen wieder verschafft. Die Rekruten erhalten bei dieser rück- 
wärtigen Reserve ihre erste unentbehrlichste Dressierung. die sonach 
bei der vorgeschobenen A~ollendet wird. Es versteht sich, daß hiebei 
auch verhältnismäßig auf die Kavallerie fürgedacht — mithin bei 
jeder Reserve auch eine angemessene Zahl berittener Rekruten bereit- 
gehalten werden müsse. 

Was die wechselseitige Kontrolle des effektiven und dienst- 
baren Standes betrifft, ist diese äußerst schwer, wo nicht, wenn 
man unredlich gegen den Kontroll erenden handeln will, fast un- 

Krauss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 4). & 



möglich. Durch Angabe mehrerer Detaehements, mehrerer Kom- 
mandierten oder Kranken etc. ist es die Kontrolle zu hintergehen 
ein leichtes. Allzu genau detaillierte Untersuchungen ziehen schäd- 
liche Gehässigkeiten nach sich und sind, besonders in dem Laufe 
eines tätigen Feldzuges gar nicht möglich. Ich halte also dafür, 
daß die Sicherheit der Kontrolle auf ein Ehrenwort einzuschränken 
wäre, welches der kommandierende General den bei ihm als Kom- 
missäre angestellten Generalen der verbündeten .Macht ein- für 
allemal bei seiner Ankunft über die Verläßlichkeit der Standes- 
ausweise zu geben hätte, die er ihm alle halbe Monate regiments- 
weise nach den drei Hauptrubriken: 
Effektiver Stand, 

Kommandierte, Absente und Kranke, 
Ausrückender Stand 
zustellen lassen würde, und daß übrigens dieser General bei allen 
Ausrückungen der Regimenter und Bataillone befugt sein solle, sich 
durch Rottenzählung, die er für sich bald da, bald dort anstellen 
kann, von der Richtigkeit oder Unrichtigkeit zu überzeugen und im 
letzteren Fall, wenn sie bedeutend wäre, den kommandierenden 
General um Auskunft darüber anzugehen. 

2. Gattung und Beschaffenheit der Truppen, Troß und 
Bagage. 

Wenn Rußland für seine Armee von 110.000 Mann 1G.O0O Mann 
recht guter Kavallerie bestimmte, so wäre es vollkommen zureichend. 
Die neuere französische Kriegsmacht hatte niemals mehr als höchstens 
ein Zehntel des Ganzen als Kavallerie, und in einem neuen Kriege, 
ob ihr schon der Besitz des Kurfürstentums Hannover für ihre Re- 
montierung einigen Vorschub gibt, würde sie doch nur höchstens 
ein Achtel aufbringen können oder wäre sie auch mehr aufzubringen 
vermögend, sich selbst dafür hüten, weil sie zu viele Überzeugung 
erlangt hat, wie sehr Überlegenheit an Infanterie entscheidend sei. 

Da zugleich diese mäßige Zahl Kavallerie für Rußlands Finanzen 
vorteilhaft ist, so würde vielleicht der Gegenstand als eine Auf- 
munterung mehr zur Erreichung jener obangeführten Reserven 
benützt werden können, die von so hoher Wichtigkeit sind. 

An einer zureichenden Zahl Artillerie wird es Rußland 
ohnehin nicht ermangeln lassen, weil es so gut wie wir überzeugt 
sein wird, wie unentbehrlich diese wichtige Hilfswaffe für alle 
Operationen der Infanterie und oft selbst für jene der Kavallerie ge- 



— 3 — 

worden sei. Nur würde vielleicht eine höfliche Erinnerung, daß 
gute und gutgenährte Bespannung dazu gehöre und zugleich eine 
zweite nötig sei. daß dabei auf ein Viertel des Ganzen an schnell 
beweglichem Feldgeschütz angetragen werden möge, die Ar- 
tilleristen desselben mögen nun wie bei den Franzosen beritten sein 
oder wie bei uns fahrend fortgebracht werden, weil jede der beiden 
Methoden gleich nützlich sein kann, wenn sie zweckmäßig einge- 
richtet ist und zweckmäßig angewendet wird. 

Daß Verminderung an Troß und Bagage und die daraus 
entspringende mehrere Bewegungsfähigkeit bei gleicher Zahl und 
Güte der Streitkräfte höchst entscheidend sei, hat die Kriegs- 
geschichte aller Zeiten zu sehr bewiesen und Rußland hat es einst 
gegen die Schweden und Preußen zu sehr selbst empfunden, als 
es darüber noch Zweifel hegen könnte. Wenn es nun unwider- 
sprechlich ist. daß das neue Frankreich seinen ganzen langen Krieg 
allenthalben ohne Zelte und fast ohne allem eigenen Proviant- 
fuhrwesen führte, daß alle Offiziere der französischen Infanterie un- 
berufen und jene der Kavallerie nur gerade so, wie es zu ihrer 
Dienstleistung unentbehrlich ist. beritten waren, daß sie fast alle 
ihre Verpflegungs- und Kleidungsbedürfnisse durch Entreprisen oder 
Ausschreibungen aus den Ländern zogen, wo der Krieg geführt 
wurde, so kann es wohl auch keinem Widerspruch unterliegen, daß 
die Möglichkeit, sich diese Entledigung von Impedimenten und die 
außer dem Vorteil mehrerer Bewegungsfähigkeit und leichteren Sub- 
sistenz auch noch damit verbundene Ersparung zu verschaffen, eben- 
sogut für die gegen sie agierenden Armeen bestehen müsse und 
daß es unverantwortlich sein würde, sie unbenutzt zu lassen. 

3. Erste Operationen der beiderseitigen Armeen mit 
Rücksicht auf die Neutralität oder Teilnahme Preußens. 

Wäre es auch, wie ich zulassen will, nicht unmöglich, durch 
russische Drohungen , daß sie mit ihrer gegen Frankreich be- 
stimmten bereit fertigen Armee und einer in Reserve stehenden 
zweiten sich mitten durch die preußischen Lande den Weg nach 
Hannover öffnen oder Frankreich in seinem geheimen Bundes- 
genossen bekriegen wollten, Preußen zum Beitritt zu zwingen, so 
würde er doch gewiß keineswegs aufrichtig sein und in der Folge 
bald mehr schädlich als nützlich werden, denn bekanntermaßen ist 
ein übelgesinnter Alliierter oft gefährlicher als der offene Feind 
und bei einem ungünstigen Wechsel des Kriegsglückes wäre es doch 



— 4 — 

nicht unmöglich, d;iß sie gegen Bundesgenossen, die sich ihnen 
aufgedrungen haben, selbst ihre Waffen kehrten. 

Wenn Preußen nicht auf der einen Seite durch vorsichtige 
Einhauchungen eines Gefühls künftiger Gefahren, in die es nach 
geend'gtem französischen Krieg mit Rußland geraten könnte und 
auf der andern durch unzweifelhafte Aussichten auf Vergrößerung 
zum Beitritt gebracht wird, so ist, so sehr es zu wünschen wäre, 
schwer zu hoffen, durch Demonstrationen der nicht gegen Frank- 
reich verwendeten russischen Kriegsmacht über Preußen mehr zu 
erwirken, als daß es die österreichischen und russischen Grenzen 
unangetastet las~e, selbst wenn sich diese beiden vereinigten Mächte, 
wie es besonders bei den Opera 1 ionen der Bussen der Fall sein 
könnte, jezuweilen Verletzungen seiner eigenen Neutralitätslinie er- 
laubten und die Neutralität der an Preußen hangenden ßeichsfürsten 
gar nicht respektierten. 

Unermeßlich wären allerdings die Vorteile, die eine treue und 
tätige Mitwirkung auch nur der Hälfte der preußischen Kriegsmacht 
heriurbringen könnte. Wie leicht winde es dieser sein, die Wieder- 
eroberung des Kurfürstentums Hannover auf sich zu nehmen und 
aus demselben bald in die diesseits des Rheins und der Yssel 
liegenden holländischen Provinzen Zutphen, Oberyssel, Groningen 
und Fiießland vorzudringen, während als die russische Armee sich 
dem Niederrhein zu nähern, die preußische linke Flanke zu decken, 
alle ihre Operationen mit Nachdruck zu unterstützen und nach voll- 
endeter Eroberung jener holländischen Provinzen bei We>el oder 
Cleve den Rhein zu übersetzen sich bestreben würde, damit die 
preußische Armee ihrerseits die Yssel und sonach den Rhein eben- 
falls passieren und so gemeinschaftlich die Eroberung von Holland 
bewirkt werden könnte, die nach meiner Überzeugung die einzige 
ist, welche auf jener Seite gesucht werden sollte, da sie auch zu 
jener der Niederlande und der zwischen dem Rhein und der Maas 
liegenden, vom deutschen Reich abgerissenen Provinzen führt und 
auch die einzige, welche gesucht werden kann, weil die ganze 
Strecke von Basel bis Düsseldorf als unangreiflich betrachtet 
werden muß. 

Noch unermeßlicher würden die Vorteile des ""preußischen Bei- 
tritts dadurch werden, daß. wenn es die drei verbündeten Haupt- 
mächte sozusagen nur wollten, leicht eine sehr brauchbare Reichs- 
armee von wenigstens 50.000 bis OO.OuO Mann formiert werden 



— 5 — 

könnte, die nicht nur allen Inkursionen des Feindes in der Strecke 
zwischen Siraßburg und Mainz zu begegnen, die Kommunikation 
zwischen den österreichischen und russischen Armeen freizuhalten, 
sondern auch nach Umständen von Zeit zu Zeit zu den Offensiv- 
operationen dieser Armeen tätig mitzuwirken vermögend sein würde. 
Bei dieser allgemeinen Vereinigung gegen Frankreich würde 
ein glücklicher Erfolg des Krieges und dessen baldiges Ende bei- 
nahe als unfehlbar angenommen werden können und wenn die 
preußische Mitwirkung auch durch sehr beträchtliche Vergrößerungs- 
konzessionen erkauft werden müßte, so wollte man nach meiner ge- 
ringen Einsicht sich gerne dazu entschließen, weil dermalen und 
noch auf lange Zeiten Preußens Vergrößerung weit minder schäd- 
lich als Frankreichs Schwächung vorteilhaft ist, besonders wenn jene 
über Holland genommen und dadurch eine recht nahe Beführung 
Preußens mit den französischen Tributären erwirkt werden könnte. 
In dem entgegengesetzten Fall würde die Hoffnung, Hannover 
wieder zu erobern und sonach gegen Holland vorzudrängen, weit 
minder begründet sein, selbst wenn 20.000 Engländer und ebenso 
viele Schweden gemeinschaftlich an der Mündung der Elbe landen 
und vor Staade zu eben der Zeit erscheinen sollten, wo die Russen 
von der Landseite in das Hannoverische vorrücken, deren erste 
Hauptabsicht vermutlich die Eroberung von Hameln sein müßte, ein 
Platz, welchen die Franzosen in guten Verteidigungsstand zu setzen 
wohl nicht verabsäumen werden, sowie es auch mit Nienburg, 
Staade und Haarliurg zu besorgen ist, weil vermutlich die Werke 
dieser alten Festungen wenigstens zum Teil noch bestehen und es 
also den sehr geschickten und tätigen französischen Ingenieuren 
nicht unmöglich sein wird, sie ebensogut haltbar zu machen, als es 
uns in dem vorigen Kriege mit Ypres, Charleroy, Philippsburg, 
Ulm etc. möglich gewesen. Jene englisch-schwedische Mitwirkung 
würde allerdings die Operationen der Russen sehr erleichtern. Die 
Vereinigung dieser mit jenen würde voraussichtlich zu erreichen 
möglich sein, da meines Wissens in der ganzen Strecke von 
Göttingen über Einbeck und Hannover bis Staade kein fester Platz 
sich findet, Hameln und Nienburg aber links seitwärts an der 
Weser, Staade und Haarburg vorwärts an der Elbe liegen, mithin das 
Inneie des Kurfürstentums nicht von diesseits decken. Nur versteht 
sich, daß. um diese Vereinigung zu bewirken und sonach alsobald 
zu der Belagerung von Hameln schreiten zu können, die Russen vor 

Krause. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 4). *> 



— 6 — 

allem die französische Armee zu schlagen und über die Weser zu 
werfen trachten müssen. 

Hier hatte ich. den Fall, daß die Russen die französische Armee 
noch an der hannoverischen Grenze finden dürften, angenommen 1 ). 
Da dieser aber wohl kaum zu vermuten, vielmehr allerdings zu be- 
sorgen ist, daß die Hauptmacht der für die Verteidigung des Kur- 
fürstentums Hannover bestimmten französischen Armee den Bussen 
während ihres Marsches durch Deutschland entgegenkommen und 
zu einer Schlacht sie zwingen werde, so würde schon von dem 
Augenblick, wo die russische Armee sich von ihren Grenzen in 
Bewegung setzt, die Zubereitung einer mächtigen englisch-schwedi- 
schen Flotte für die Aufnahme vieler Landungstruppen, von dem 
Augenblick aber, wo die französisch-hannoverische Armee un- 
zweifelhafte Anstalten zu ihrer Vorrückung trifft, die wirkliche 
Einschiffung und baldige Erscheinung an der Mündung der Elbe 
nötig sein, um den Bussen die Erleichterung zu verschaffen, daß 
der E'eind das Kurfürstentum stark besetzt zu lassen bemüßigt wäre, 
mithin den Bussen nur mit einer um so minderen Zahl durch Deutsch- 
land entgegen ziehen könnte. Solange aber, als die russische und 
französische Armee sich nicht wirklich erreicht haben, würden 
jene Flotten mit ihren Landungstruppen auf drohende Demonstrationen 
sich beschränken müssen, und erst wenn die französische Armee 
die Möglichkeit eines freiwilligen Bückzuges in das Hannoverische, 
ohne von der russischen auf dem Fuße verfolgt zu sein, 
verloren haben wird, dürfte die Landung mit ganzer Macht bei 
vorausgesetzter zureichender Stärke rätlich werden, um sich sobald 
als nur möglich den Besitz von Staade und Haarburg zu verschaffen 
und hiedurch die Kommunikation mit den Flotten zu versichern, 
jene mit den Bussen aber vorzubereiten. Es versteht sich also von 
selbst, daß alles, was zur Eroberung jener beiden Plätze an Geschütz 
und anderen Bedürfnissen erforderlich, mitgebracht werden müßte, 
um ohne mindesten Zeitverlust zu der Belagerung zu schreiten, die, 
weil sie vermutlich zu Wasser mächtig unterstützt werden könnte, 
wohl nur kurze Zeit erfordern würde. 

: ) Es ist wohl vielleicht überflüssig, zu erinnern, daß dies auch der Fall 
sein würde, wenn der Feind seine aus dem Innern Frankreichs für Hannover 
bestimmte Verstärkungen nicht erst unmittelbar dahin dirigierte, sondern mehr 
oberhalb den Ehein passieren und auf der kürzesten Linie den Bussen ent- 
gegenrücken ließe. 



Dies ist alles, was ich vorderhand über die ersten russischen 
Operationen zu sagen mir getraue, und überflüssig ist es, vielleicht 
noch anzufügen, daß die russische Armee einen Pontontrain, wie 
er für zwei Brücken auf der Weser erforderlich, mit sich führen, 
einen Artillerietrain aber, der für die Belagerung von Hameln zu- 
reichend ist, in angemessener Distanz sich folgen lassen müsse. Ob 
es möglich wäre, ihr ein und den anderen oder wenigstens den 
letzteren in Deutschland zu verschaffen, bin ich nicht zu beurteilen 
vermögend. 

Was die Operationen der k. k. Kriegsmacht betrifft, so 
beschränkt sich alles, was mit Verläßlichkeit darüber angeführt 
werden kann, darauf, daß sie in eine Hauptarmee rechts für Deutsch- 
land, in andere links für Italien und in ein Korps d' Armee zwischen 
beiden für Tirol abgeteilt werden müßte; daß die erstere durch 
Bayern gegen den Bodensee und sonach gegen die Schweiz zu 
operieren, die zweite Hauptarmee die Belagerung von Mantua und 
Peschiera zu legen und wenn sie genug Kräfte hat, mittlerweile 
gegen Mailand vorzudringen, das Korps d'Armee aus Tirol aber 
sich die Pässe von Graubünden und sonach jene der Schweiz zu 
öffnen oder anfänglich durch seinen linken Flügel für die Operationen 
in Italien mitzuwirken sich bestreben würde. 

Es leuchtet von selbst ein, daß ich hier den Fall annehme, 
wo es der Klugheit, der Vorsicht und Verschwiegenheit der Kabinette 
gelingen sollte, ihren gemeinschaftlichen künftigen Feind so lange 
über die österreichische Teilnahme irrezuführen und im Zweifel 
zu erhalten, daß er, wenn man die Maske ablegt, nicht mehr ver- 
mögend ist, die äußersten österreichischen Grenzen früher, als sie 
gedeckt sind, mit einer L' hermacht zu erreichen und wie hiebei von 
militärischer Seite zu Werke zu gehen wäre, darüber beziehe ich 
mich auf meine früher eingesendeten Betrachtungen, um nicht in 
Wiederholungen zu verfallen. 

Was ich aber hier zu wiederholen ehrerbietig wage und nicht 
oft genug wiederholen zu können glaube, ist mein Wunsch, alle er- 
denklichen Vorbereitungen zu treffen, damit für 

300.000 Mann österreichischer Infanterie 
zu dem künftigen Kriege fürgesorgt und hiedurch wenigstens 
die gleiche Zahl mit dem Feind hergestellt werde, die mit Inbe- 
griff der Bussen kaum alsdann erst hergestellt sein würde, da 
Frankreich 140 Regimenter Infanterie, jedes von 3000 Mann. 



mithin 

420.000 Mann Infanterie 
besitzt, die, wenn sie auch dermalen selbst an Bataillonen nicht 
ganz vollzählig sind, bis zum Ausbruch des Krieges oder bald 
nach demselben alle komplettiert sein werden. 

Was vielleicht an Engländern und Schweden, Neapolitanern ete. 
zu hoffen, wird durch die den Franzosen bis auf den letzten 
Mann zu Gebote stehenden Holländer, Schweizer, Italiener aufge- 
wogen, die, auf französischen Fuß bereits organisiert und gebildet, 
vollkommen brauchbar sind, da die Franzosen sie niemals abgeson- 
dert verwenden, sondern stets mit ihren Nationaltruppen amalgamieren 
werden. 

So sehr ich mich zu bereden wünschte, daß Bonaparte als 
Kaiser ärmer an Möglichkeit, Streitkräfte aufzubringen, geworden 
sein möge, so wenig finde ich mich bei reifem Nachdenken dazu 
berechtigt, denn er hat alle hohen und niederen Offiziere seiner 
Armee, alle hohen und niederen ZiviJbeamten seiner Länder für 
sich. Jede Besorgnis vor Niederlagen der französischen Armee er- 
wirkt in allen Herzen der Bediensteten die Besorgnis der Wieder- 
kehr der französischen Prinzen und mithin jene des Verlustes ihrer 
Chargen; in allen Herzen der zahlreichen Eigentümer von National- 
giitern jene des Verlustes derselben; in allen Herzen der ungeheuren 
Masse von Besitzern großer und kleiner Bauerngüter jene der Wie- 
derkehr des Feudalsystems. Die Einwohner der Städte wünschen 
sich Ruhe und sind gewiß zufriedener, als sie es während des 
ganzen Laufes der Revolution jemals gewesen, da sie alle Vorteile, 
die ihnen der Luxus gewähren kann, durch dessen Wiederherstellung 
reichlich erlangt haben. Auch sind sie es vorzüglich und mit ihnen 
ein zahlreicher Schwärm von Gelehrten und Künstlern, die vor dem 
Gedanken der Wiederkehr eines erblichen und privilegierten Adels 
am meisten zurückbeben. Alles, was die koalisierten Mächte nur 
immer anwenden dürften, um dem Argwohn der Wiederherstellung 
des alten Frankreichs vorzubeugen, würde fruchtlos sein, denn jeder 
sagt dennoch zu sich selbst: Gelingt es ihnen nur, recht wichtige 
Fortschritte zu machen, so wird sie auch bald die Lust anwandeln, 
den Usurpator vom Thron zu stürzen. 

Die wiederhergestellte Geistlichkeit, wenn sie auch dermalen 
noch kein brillantes Schicksal hat, wird sich dennoch sorgfältig 
hüten, zu Argwohn Anlaß zu geben und ihre dermalige Existenz 



— 9 — 

mit allen Hoffnungen auf eine bessere, zu welchen sie die bisherige 
(Geneigtheit i 1 1 res Souveräns berechtigt, gegen höchst unsichere 
und entfernte Aussichten aufs Spiel zu setzen. Überdies ist sie auch 
zu sehr überwacht, um mit irgend einigem Erfolg wirken zu 
können. 

Wie gering und ohnmächtig ist also die Zahl, die eine Än- 
derung wünschte, und wie läßt sich der Gedanke nur denken, daß 
sie sich auf irgend eine Art jemals zu erklären wagen dürfte? — 
Selbst von der Vendee war niemals weniger zu hoffen als jetzt, 
denn jedermann muß des langen, fruchtlosen Kampfes endlich müde 
geworden sein, und der Religionseifer, der dort am mächtigsten 
wirkte, ist beruhigt oder wenigstens nicht mehr bis auf den (irad, 
welcher zu Extremen führt, beunruhigt. Das eigentliche Frankreich 
ist längst gewohnt, seine Söhne auf die Schlachtbank führen zu 
sehen, denn auch dies ist eine Gewohnheit, wie es schon früher 
während des siebenjährigen Krieges die preußischen Lande bewiesen 
halien, wo verhältnismäßig die Rekrutenaushebungen viel zahlreicher 
als jemals in dem revolutionierten Frankreich waren. Nur in den 
neu «rubelten und besonders in den deutschen und niederländischen 
Provinzen dürfte noch Widerwille dagegen bestehen. Aber eine 
zahlreiche, bis 20.0» >0 Mann betragende, sehr gut organisierte und 
sehr tätige Gendarmerie und ein Korps von 12 000 diensttuenden 
Veteranen, in MO Bataillone formiert, werden allein zureichend sein, 
jeden Ausbruch in seiner Entstehung zu dämpfen, ohne das zweite 
für solche Fälle bestehende Hilfsmittel der Aufbietung besoldeter 
Nationalgarden aus anderen Departements zu benötigen. 

Alles, was Bonaparte zum Schutze seiner Küsten zu verwenden 
sich verleiten lassen wird, rechne ich auf höchstens 30.000 Mann, 
denn er weiß zu gut, daß ihm englische Landungen niemals ge- 
fährlich werden können. Ich will annehmen, daß die Engländer die 
Operationen der Russen mit 30.000 begünstigten und dazu noch 
iO.OOü Schweden und 10.000 Neapolitaner rechnen, in allem also 
eine Zahl von 

90.000 Mann 
von der eigentlichen französischen Kriegsmacht abschlagen, die 
durch andere Verbündete als Russen beschäftigt werden dürften, so 
wurde dies die Zahl der Holländer, Schweizer und Italiener nicht 
sehr übersteigen, mithin im großen nur immer noch gleiche Zahl 
verblei beu. Aber auch zugelassen, daß mau einige Überlegenheit 



— 10 — 

erlangen könnte, so würde erst das wahre Verhältnis hergestellt 
sein, in welchem man gegen einen Feind von gleicher Güte stehen 
soll, wenn man einen tätigen Eroberungskrieg gegen ihn führen 
will und muß. weil für einen glücklichen Frieden keine geringste 
Hoffnung besteht, solange man ihn nicht wenigstens von der 
Seite Italiens bis gegen seine alten Grenzen zurückgedrängt and 
aus seinen eigenen Ländern zu leben gezwungen hat. Mangel an 
Menschen hat Bonaparte, solange er sie großenteils auf fremdem 
Boden ernähren kann, nie zu besorgen. Nur Mangel an Geld 
würde ihn nachgiebig machen, weil er sieh neue beträchtliche Auf- 
lagen am allerwenigsten erlauben darf. Aber welche ungeheure 
Anstrengung wird nicht erfordert, um ihn bis dahin zu bringen? 
Man kann sich nicht sorgfällig genug hüten, aus der Eröffnung 
des zweiten französischen Krieges ein Beispiel zu ziehen; Bonaparte 
hat zu viel Klugheit, um, wie damals das Direktorium, seine 
Feinde zu verachten, unendlich mehr Mittel, als jene Schwäch- 
linge von Regenten sich erlauben dürften, unendlich mehr Fähig- 
keit, sie gut zu verwenden. Ohne mir übrigens die Feldherrn- 
talente des Kaisers Napoleon als einzig oder unerreichbar zu 
denken, muß ich doch allerdings noch den wichtigen Vorteil, in dem 
er steht, in Betrachtung ziehen, daß er und er allein unum- 
schränkt alle seine eigenen und seiner unterwürfigen Verbündeten 
Streitkräfte wie er will lenken und verwenden kann, daß aber Seine 
Majestät der Kaiser von Österreich bei ihren Bundesgenossen leider 
nur auf guten Willen, gute Anführung hoffen, keineswegs aber diese 
unentbehrlichen Eigenschaften einflößen und noch weniger gebieten 
können. 

4. Mittel, sich der sächsischen Mitwirkung zu ver- 
sichern. 

Für das Unfehlbarste halte ich den Beitritt Preußens. Außer 
diesem kenne ich kein anderes, als daß die Eussen dereinst aus 
Böhmen unerwartet und plötzlich in Sachsen einrückten und dem 
Kurfürsten die Frage setzten: was er vorziehe, seine Truppen ent- 
waffnen, als Gefangene fori führen und sein Land durch Russen 
für die Dauer des Krieges besetzt zu sehen oder gemeine Sache mit 
ihnen zu machen, mithin den größten Teil seiner Armee unmittel- 
bar mit ihnen abrücken zu lassen? Diese Handlung, die vielleicht 
nur durch Rußlauds uneigennützige Anstrengung für die allgemeine 
Wohltat des Deutschen Reiches entschuldigt werden könnte, wäre, 



— 11 — 

ich gestehe es. nicht die feinste und sanfteste. Aber eine sanfte, 
selbst nicht die Verheißuno- wichtiger Vergrößerung würde schwer- 
lieh wirken, wenn Sachsen nicht durch Preußen aufgemuntert 
würde. 

Selbst auch dieser Schritt der Russen glaube ich nicht, daß 
er die Preußen aufs Äußerste mithin zu einer Kriegserklärung 
gegen Österreich und Rußland bringen könnte, und mit der kleinen 
sächsischen Armee, sie möge den Russen oder der in Deutschland 
agierenden k. österreichischen Hauptarmee zugeteilt werden, würde 
die Besorgnis von Unbr auch barkeit aus Mangel an Eifer und gutem 
Willen nicht bestehen, weil es genug Mittel gibt, sie zu beobachten 
und wenn es nötig, dazu zu zwingen. 

5. Verwendung der Engländer und Leitung ihrer 
Operationen. 

Die einzige Gegend, wo Engländer nach meiner Einsicht 
wahrhaft nützlich werden könnten, wäre oben angeführtermaßen 
am rechten Flügel der Russen, mithin anfanglich in Hannover und 
sonach gegen Holland. Je zahlreicher sie hier zu erscheinen ver- 
mögend sind, je nützlicher könnte es werden. 

Alle einseitigen Operationen derselben gegen Holland oder 
Frankreich würde ich gänzlich verwerfen, kühne Demonstrationen 
jedoch immer auch als vorteilhaft betrachten. Nur alsdann, wenn 
sie und die Russen schon an die Yssel vorzudringen im Begriff 
sind, würde die Landung eines durch den Zuidersee gegen die 
.Mündung jenes Flusses heransegelnden zweiten Hilfskorps höchst 
ersprießliche Dienste leisten können. 

Zur Leitung der Operationen wünschte ich dem Herzog von 
York, welcher die englische Armee vermutlich kommandieren würde, 
einen recht guten Stabsoffizier mit einigen Offizieren von unserem 
Generalstab. Er hatte deren einstens während seiner Vereinigung 
mit uns in den Niederlanden stets bei sich, schenkte ihnen sein 
Zutrauen und befand sich wohl dabei. Ob er seither nicht Gesin- 
nung geändert, ob er selbst Neigung dafür haben dürfte oder wie 
sie ihm eingeflößt werden könnte bin ich nicht zu beurteilen ver- 
mögend. 

Am 16. November 1804. 

(Kriegsarehiv, Memoiren, 1804, III, 132. Von FML. Maek eigenhändig ge- 
sehrieben, ohne Ortsangabe und ohne Unterschrift.) 



Beilage 5. 

Zu Seite 134. 



Allgemeine Grundsätze, 

nach welchen die gemeinschaftlichen Kriegsoperationen der k. k. Armee in Deutsch- 
land, Italien und Tirol geleitet werden sollen. 

In dem von Seiner Majestät genehmigten Operationsentwurf bei 
der Möglichkeit eines ausbrechenden Krieges mit Frankreich sollte 
der Feldzug in Italien durch eine Offensive eröffnet und getrachtet 
werden. Mantua und Peschiera zu erobern, währenddem sich das 
Truppenkorps in Tirol auf die Verteidigung der Haupteingänge in 
dieses Land beschränken und die Armee in Deutschland soweit vor- 
rücken würde, als sie es ohne Gefahr tun könnte. Hätte sich aber die 
italienische Armee im Mailändischen festgesetzt — wäre Mantua 
und Peschiera gefallen und wir hätten dadurch eine Schutzwehr für 
unsere mittägige Grenze erhalten — wäre die deutsche Armee durch 
die russischen Truppen verstärkt und hätte einen festen Fuß in 
Schwaben gewonnen — dann sollte die Hauptoperation in und durch 
die Schweiz unternommen werden. 

Diesem Plan zufolge und in dem Betracht, daß in Italien der 
erste Tag der Feindseligkeiten wahrscheinlich eine entscheidende 
Schlacht herbeiführen werde, deren unglücklicher Ausgang in wenig 
Wochen dem Krieg ein Ende machen und den Feind bis vor die 
Tore von Wien führen könne, ist unsere Kriegsmacht dergestalt 
verteilt worden, daß die Hälfte der ganzen Infanterie zur Formierung 
der italienischen Armee und die andere Hälfte nach Tirol, Vor- 
arlberg und Deutschland bestimmt wurde. 

Wenn der erste Tag der eröffneten Feindseligkeiten in Italien 
entscheidend sein wird, so kann auch in 2 — 3 Wochen nach dem 
Übergang der Franzosen über den Bhein ein ebenso entschei- 
dender Tag in Deutschland erfolgen. Allein bis dahin können die 
ersten russischen Hilfstruppen in der Nähe sein, und ist die deutsche 
Armee einmal mit diesen vereinigt, dann wird sie auch ohne Zu- 

K raus 8 1805, Der FeMzug von Ulm (Beilage 5). ä 



— 2 — 

rechnung bayrischer und anderer Reiehstruppen um 10.000 bis 
12.000 Mann der italienischen Armee tiberlegen, welche indessen 
durch unsere Gefechte schon in ihrem Stande herabgekommen und 
durch die zur Blockade von Mantua und Peschiera verwendeten 
Truppen sehr geschwächt sein wird. 

In Italien ist nur eine Operation möglich : Es muß alles an- 
gewendet werden, um den Feind gleich bei Eröffnung der Feind- 
seligkeiten zu einer entscheidenden Schlacht zu zwingen. Ist sie für 
uns glücklich, so muß uns nichts aufhalten, alle Hindernisse des 
Feindes mit äußerster Gewalt zu überwinden und bis an die Adda 
vorzudringen, Mantua und Peschiera in der möglichst kürzesten Zeit 
zu erobern und entweder durch Verstärkungen nach Tirol, oder 
durch Detachements aus Italien gegen die Schweizer Gebirge den 
Feind aus dem Valtelin und Engadein zu delogieren und ihn von 
jeder Unternehmung gegen Tirol abzuhalten. 

Diese Operationen jedoch fordern eine große Überlegenheit an 
Mitteln und eine außerordentliche Anstrengung. Sollte der Feldzug 
im Spätjahre eröffnet werden, so würde Mantua wegen seines 
weichen und morastigen Bodens und seiner sumpfigen Lage nicht 
mehr belagert, sondern nur berannt werden können, folglich nur 
durch Hunger nach einer lang dauernden Blockade fallen und die 
Operation gegen das Valtelin könnte auch unüberwindlichen Schwierig- 
keiten der Jahreszeit unterliegen. Was nach der Eroberung von 
Mantua für weitere Operationen in Italien unternommen werden 
sollen, wird der gleichzeitige Standpunkt der Dinge in Deutschland 
entscheiden. Ist unsere Armee in Deutschland bis dahin glücklich 
gewesen, ist sie mit den beiden russischen Hilfstruppenkorps ver- 
einigt und in Schwaben etabliert, ist sie in der Verfassung, eine 
Operation gegen die Schweiz selbständig zu unternehmen, dann muß 
in Italien durch eine Vorrückung in der Ebene, durch Demon- 
strationen und Detachierungen kleiner Korps gegen die Schweiz, zu 
ihrer Eroberung beigetragen, mit dem Gros der Armee aber Ale- 
xandria und Turin belagert werden. 

Sollte man hingegen von Italien aus mit einer beträchtlichen 
Truppenzahl zu der Eroberung der Schweiz mitwirken müssen, so 
würde man dadurch in die unvorteilhafte Lage einer Defensive an 
dem Ticino oder an der Sesia und dem Po versetzt werden. 

Sollte endlich die Armee in Deutschland zu einem ßückzug 
gezwungen worden sein, so könnte man sich in Italien nach der 



— 3 — 

Einnahme von Mantua auf die Defensive beschränken und mit einem 
nach Umständen verhältnismäßigen Korps durch Tirol marschieren, 
um den Feind, der indessen auch daselbst eingedrungen sein kann, 
daraus zu vertreiben und seiner in Bayern vorrückenden Armee in 
Flanke und Kücken zu kommen. 

Wäre jedoch die erste Sehlacht in Italien für uns unglücklich 
ausgefallen und wir würden dadurch zum Rückzug genötigt, so muß 
Venedig mit einer starken Garnison besetzt, der größte Teil 
unserer Infanterie nach Tirol geworfen und der Rest mit der 
Kavallerie am Fuße des Gebirges nach Maß, als der Feind vordringt, 
gegen die Ponteba zurückgezogen werden. 

Es würde für den Feind zu gefährlich sein, in der Ebene 
zwischen Tirol und Venedig vorzugehen, solange eine ansehnliche 
Truppenzahl in Tirol bei jeder Vorrückung seine Flanken, seinen 
Rücken und seine Kommunikation bedroht. Er muß uns daher 
zuerst aus Tirol delogieren und sich dazu in eine langwährende, 
beschwerliehe Operation einlassen, bei welcher wir im schlimmsten 
Fall den Zweck einer Defensive — nämlich Zeit zu gewinnen — 
erreichen. 

In Deutschland können wir bei dem Ausbruch des Krieges 
keinen anderen Plan haben, als soweit als möglich vorzudringen 
und uns in Schwaben festzusetzen, um sodann zu einer Operation 
gegen die Schweiz zu schreiten. 

Am sichersten und in kürzester Weise werden wir diesen 
Zweck erreichen, wenn wir. die linke Flanke durch Tirol gedeckt, 
am Fuße des dortigen Gebirges vorgehen, uns zuerst an der Hier 
in Verbindung mit dem Korps in Vorarlberg und endlich bei Stockach 
aufstellen. 

Ihrerseits müssen die Franzosen suchen, uns dahin vorzu- 
kommen, uns womöglich noch vor Ankunft der Russen zu einer 
entscheidenden Schlacht zu zwingen. Dazu können sie zwei Straßen 
benützen: die von Straßburg nach Stockach und von da zwischen 
der Donau und dem Bodensee fortgeht, und jene so von Mainz oder 
Mannheim nach Ulm führt. Vermutlich werden sie erstere als die 
kürzere nehmen und dann werden die Armeen entweder an dem 
Lech oder in Schwaben aufeinanderstoßen, je nachdem wir oder sie 
früher vorgegangen und Terrain gewonnen haben werden. 

Sollten wir bis dahin noch nicht mit den Russen vereinigt 
und nicht in dem Maße verstärkt sein, um uns mit Wahrschein- 

a* 



— 4 — 

lichkeit eines glücklichen Ausganges mit unserem Gegner messen 
zu können, dann muß einem Gefecht ausgewichen und wieder 
am Fuße des Tiroler Gebirges solange zurückgezogen werden, bis 
unsere vermehrten Kräfte uns abermals vorzurücken erlauben. 

Bei diesem Rückzuge sind die Haupteingänge von Tirol zu 
besetzen, einesteils damit der Feind zum Detachieren und zur Be- 
obachtung dieser Pässe gezwungen werde, andernteils damit er durch 
die Okkupierung der vornehmsten Täler beide Armeen nicht trennen 
und jede Verstärkung aus Italien unmöglich mache. 

Würden wir endlich gezwungen, unseren Eückzug auch bis 
Salzburg fortzusetzen, so müßte wenigstens alles aufgeboten werden, 
um diesen so wichtigen Punkt zu behaupten. 

Salzburg müßte daher von dem Augenblicke, als es politische 
Rücksichten erlauben, mit der größten Anstrengung in bestmög- 
lichsten Verteidigungszustand gesetzt werden. 

Sollte die Operation der französischen Armeen von Mannheim 
oder Mainz auf Ulm oder gar auf Regensburg gerichtet sein, so 
würde darum die erste Direktion unseres Marsches durch Bayern 
als auf der kürzesten Linie gar keine Änderung leiden und nur, 
nachdem wir über München hinausgerückt wären, müßten wir uns 
gegen die Donau wenden, um entweder durch eine Aufstellung 
hinter diesem Fluß oder durch einen Übergang über denselben und 
durch Bewegungen gegen den Rücken und auf die Kommunikation 
der vorgerückten feindlichen Armee dieselbe aufzuhalten und so- 
lange Zeit zu gewinnen, bis wir es auf eine Schlacht ankommen 
lassen könnten. 

Die Aufstellung und Verteidigung Vorarlbergs hängt ganz von 
den Verhältnissen ab, in welchen sich unsere Armee in Schwaben 
befinden wird. Solange wir nicht über die Hier vorgerückt sind und 
dadurch die Pässe decken, welche aus Bayern und Sehwaben nach 
Tirol führen, solange kann Vorarlberg nur durch eine beträchtliche 
Truppenzahl verteidigt werden, welche sowohl das Rhein-Tal in der 
Front als alle Gebirgseingänge in der Flanke besetzen müßte. Aber 
auch diese Verteidigung ist so prekär, daß es sicher vorzüglicher 
wäre, die zur Besetzung von Vorarlberg bestimmten Truppen zuerst 
im Inn-Tal gegen Landek zu konzentrieren, das Rhein-Tal einstweilen 
nur durch Vorposten zu beobachten und erst dann, wenn die Haupt- 
armee in Schwaben einrücken wird, in gleicher Höhe mit ihr nach 
Vorarlberg vorzugehen. 



— 5 — 

Zu der Verteidigung der zwei Haupteingänge der westlichen 
Grenze Tirols bei Nauders und Täufers sind zwei Korps bestimmt, 
welche die Belehrung erhielten, beim Ausbruch der Feindseligkeiten 
die vorteilhaftesten Stellungen dies- oder jenseits der Grenze zu be- 
ziehen, sich anfangs nur auf Demonstrationen zu beschränken und 
erst dann in den Tälern des Inn und der Adda vorzudringen, wenn 
unsere italienische Armee durch einen Sieg den Feind zum Bückzug 
wird gezwungen haben. 

Diese Korps wurden aus der Ursache nur von so geringer Stärke 
— aus 21 Bataillonen und 4 Eskadronen — zusammengesetzt, weil 
auch hier die erste Schlacht in Italien und die nachfolgende in 
Deutschland die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Operation 
für beide Teile entscheidet. 

Siegen wir in Italien, so kann der Feind weder aus dem 
Engadein noch aus dem Valtelina vorpoussieren, weil wir bald im 
Besitz von dem Eingang der Täler sein werden, durch welche die 
Straßen aus Italien in das Valtelina und nach Graubünden führen 
und welche ihm zu seinen Kommunikationen dienen. 

Siegen wir in Deutschland und sind dadurch in stand gesetzt. 
die Truppen in Vorarlberg zu verstärken oder in die Schweiz ein- 
zudringen, so wird dieser Sieg wahrscheinlich die feindliche Bäumung 
von Graubünden und der kleinen Kantone zur Folge haben. 

Sollten wir aber in Italien unglücklich sein, so wird uns ein 
Manöver des Feindes in das Vintschgau zwar lästig werden, jedoch 
nicht wesentlich schaden, weil er es nicht mit vielen Truppen unter- 
nehmen kann, wir aber in diesem Fall das Gros der Armee nach 
Tirol ziehen und ihm folglich immer so überlegen bleiben, daß wir 
seinen Unternehmungen Schranken setzen können. 

Die französische Armee wird zwar ihren Sieg benützen, sie 
wird uns in dem Etsch-Tal folgen, allein die Natur des Terrains 
und das hohe Gebirge, welches von Bozen abwärts das Etsch-Tal 
von dem Vintschgau trennt, wird es dem Feind unmöglich machen, 
uns zu verhindern, daß wir ihn in seiner Front maskieren und 
mit überlegener Macht auf seine gegen Meran vordringenden Truppen 
werfen und diese zurückschlagen, bevor sie von ihrer Hauptmacht 
zu rechter Zeit degagiert werden oder Verstärkungen erhalten können. 

Nach einer verlorenen Schlacht in Deutschland kann das 
Inn-Tal solange behauptet werden, als Vorarlberg und die Gebirgs- 
pässe bei Beute und Scharnitz besetzt sind ; sollten wir auch diese 

Krau ss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 5). D 



— 6 — 

verlassen, so werden wir uns zwar auch aus dem Inn-Tal verhältnis- 
mäßig zu unserem Rückzug aus Vorarlberg und Schwaben und 
Bayern zurückziehen müssen, allein da die aus Vorarlberg zurück- 
gehenden Truppen auch in das Inn-Tal kommen, so wird sich da- 
selbst ein Korps von hinlänglicher Stärke bilden, um seinen Eückzug 
nicht übereilen zu dürfen und soviel Zeit gewinnen zu können, 
bis günstigere Umstände eintreten. 

Erzherzog Karl, FM. 

Genehmigt: 

Franz. 

Wien, am 29. August 1805. 
(Kriegsarehiv, 1805, Deutsehland FA, VII, 26.) 



Beilage 6. 

Zu Seite 330. 



Euer Majestät! 

Geruhen allergnädigst aus der in Abschrift beiliegenden Note, 
welche Herr FML. Mack an den kaiserlieh russischen General en chef 
verfaßte und welche General Crenneville heute demselben mit allen 
nötigen mündlichen Aufträgen überbringt, einen Teil meiner gegen- 
wärtigen Lage zu entnehmen, welchem ich noch eine umständlichere 
Erklärung anzuschließen mich verpflichtet sehe. 

Vermöge meinem alleruntertäuigst eingereichten Bericht vom 
6. dieses aus .Mindelheim handelte es sich damals, die Armee aus 
der weiten Entfernung über der Hier, aus den Kantonierungen zu 
sammeln, einmal ein Ganzes zu bilden und gegen die schon lange 
meine rechte Flanke mit Macht zu umgehen bedrohenden Bewegungen 
des Feindes tätige Maßregeln zu nehmen. Ich habe das Vorhaben 
gleichdenkend mit FML. Mack gefaßt, daß, wenn der Zug der feind- 
lichen Kolonnen, getrennt, wie er es anfangs war, auch noch zur 
Zeit, als meine Armee bei Ulm versammelt sein wird, solchergestalt 
dieser Stadt vorbeilenken und gegen die untere Donau rücken sollte, 
durch einen Angriff im Rücken das Vordringen anzuhalten und die 
Kommunikation zu hemmen. 

Noch aber war gestern nicht alles von der Armee versammelt, 
viele Regimenter benötigten mehrere Eilmärsche, um sich anzufügen, 
als FML. Mack neuere Gründe zur Ablehnung des ersten Entschlusses 
mir vortrug. Im Beisein einiger der erfahrensten Feldmarschalleutnants 
erwogen wir solche, fanden sie auch schon darum annehmbar, weil 
sie eine vollständigere Zusammenziehung der Armee, eine Ausweichung 
der beengten Gegend des linken Donau-Ufers und die Anschickung 
auf andere Umstände, die uns der Feind darbot, vorstellten. 

Er dehnte sich mit seiner Hauptstärke gegen Donauwörth, 
scheint nach Angabe aller einkommenden Nachrichten die Vereinigung 
mit Bernadotte zu vollziehen und gibt dann durch Anhäufung so 
großer Macht die wichtige Besorgnis, daß er sich, schon im 

Krauss. 1805, Der Feldzug von Ulm (Beilage 6). 3> 



— 2 

Besitz von Donauwörth, wo er eine Brücke über die Donau 
schlägt und im Rücken, entweder auf die ankommende Armee der 
Russen werfe oder gegen mich seine Übermacht wende. 

Alle diese Folgen, deren mögliche Eintreffung ich wagte, Eurer 
Majestät gedreist vor meinem Abgehen in Wien alleruntertänigst 
vorzulegen, werden auch nun von FML. Mack mit nicht geringer 
Besorgung geahndet, den der nahe Verlust der geraden rückwärtigen 
Kommunikationslinie, die Eindrängung eines zahlreichen Feindes, der 
von der Hilfe anrückender Alliierten uns zu trennen droht, sind 
Gegenstände, die man nie, bei Abweichung der ersten Grundsätze 
im Kriege, ohne banger Besorgung herannahen sieht. 

Ich habe also bei gegenwärtigen Verhältnissen den FML. Mack 
dahin zu bewegen gesucht, daß er hier bei Günzburg doch nur in- 
solange anhalten möge, bis ich zu der Armee anwachse, deren 
Einheit und Stärke Kräfte darbietet, dasjenige mit Ordnung und Zu- 
versicht unternehmen zu können, was der noch wahrhaft anhaltende 
Mut und glückliche Stimmung der Soldaten bei Anlaß der Umstände 
zu erwarten verspricht. 

Kommt der Feind nur mit einem Teil über die Donau zwischen 
mir und den Bussen und gewinne ich nur 2 Tage, ohne daß er 
nach seiner Übersetzung weiter gegen Augsburg vorrückt, so werde 
ich vielleicht mit der Hilfe des Himmels im ersten Fall ihn an- 
greifen oder im zweiten noch Friedberg und die Vereinigung mit 
den Russen erreichen. Ist es aber ganz anders, stünde er in zwei 
Tagen mit seiner ganzen Macht am rechten Donau-Ufer, mir gegen- 
über einen Angriff drohend, so werde ich trachten, die Armee auf 
das linke Ufer zu setzen und somit einer Schlacht auszuweichen, bis 
ich durch fernere Märsche wieder unterhalb über die Donau rück- 
kehren und sohin mich den Russen nähern kann. 

FML. Kienmayer, welcher alle im Anmärsche begriffenen Grenz- 
regimenter noch aufnimmt, erhielt die nötigen Verhaltungsbefehle, 
wie er sich zu benehmen habe, um bei seinem Eückzug an die 
russisch kaiserliche Armee anschließen zu können, er wird sie von 
den künftigen Ereignissen verständigen, insoweit sichern, daß sie 
sich ordentlich sammeln und mit allem ausrüsten kann. 

Übrigens getraue ich mich Eurer Majestät mit Wahrheit zu 
bekräftigen, daß die Lage, in die wir gerieten, so bedenklich und 
gewagt sie ohne Verhehlung ist, dennoch die frohe Hoffnung eines 
gesegneten Ausganges gewährt. 



— 3 — 

Die Armee, ungeachtet der unausgesetzten Märsehe, ist vom 
besten Willen, sie zeigt Mut und mehr als jemals Bereitwilligkeit 
sich zu schlagen. In diesem guten innerlichen Zustande finde ich 
die reichlichste Quelle zur Erwartung eines guten Ausganges. 

Erzherzog Ferdinand, GdK. 
Hauptquartier Günzburg, den 8. Oktober 1805. 



Die Beilage des Berichtes lautete : 
An den kaiserlich russischen Herrn General en chef Kutusow! 

Günzburg, den 8. Oktober 1805. 

Die k. k. Armee hatte sich bisher den wichtigen Vorteil ver- 
schafft, Meister von der Hier, von Ulm und Memmingen zu sein, 
um zusammengehaltene Kräfte zu behalten und sich nicht durch die 
Deckung Tirols schwächen zu müssen Der Feind findet nicht für 
gut, diese Stellung mit offener Surne anzugreifen. Er will sie tour- 
nieren und hiedurch unsere Vereinigung mit der russischen Armee 
verhindern, wozu Bonaparte sich durch den Durchbruch der einen 
seiner Armeen durch das Preußisch-Ansbaehische die Möglichkeit 
verschafft hat, weil er die Vereinigung seiner beiden Armeen früher 
bewirkte. 

Wirklich dürfte also unsere Vereinigung mit den russischen 
Armeen für den Augenblick verhindert, oder indem es, da die beiden 
feindlichen Armeen bereits vereinigt und Meister von Donauwörth 
sind, gefährlich werden, solche alsogleich aufzusuchen oder die russi- 
schen Kolonnen in der Verfassung, wie sie ankommen, gleich augen- 
blicklich vom Inn vorrücken zu lassen. 

Indessen haben wir in dem Lande vom Lech bis tief in 
Schwaben auf längere Zeit zu leben, als uns nötig sein kann, bis die 
russische Armee am Inn mit allem versehen und tätig zu werden ver- 
mögend sein wird. 



— 4 — 

Wir haben vollkommen zusammengehaltene Kräfte, nahe an 
70.000 Mann, um den Feind, wenn er den Lech passierte, angreifen 
und schlagen zu können. Wir können, da wir die Meister von Ulm 
sind, den Vorteil, auch von beiden Ufern der Donau Meister zu 
bleiben, nicht verlieren, mithin auch jeden Augenblick, wenn der 
Feind den Lech nicht passierte, die Donau übersetzen, uns auf seine 
Kommunikationslinie werfen, die Donau unterhalb repassieren und 
dem Feinde, wenn er sich gegen unsere treuen Alliierten mit ganzer 
Macht wenden sollte, seine Absicht alsobald vereiteln. Wir werden 
auf solche Weise dem Zeitpunkt, wo die russische Armee ausgerüstet 
sein wird, mutig entgegenharren und sodann leicht gemeinschaftlich 
die Möglichkeit finden, dem Feind das Schicksal zu bereiten, so er 
verdient. 

Diesem nach wäre es notwendig, daß die russischen Kolonnen 
die Vorsicht brauchten, jedoch womöglich nicht bei Braunau, sondern 
Mühldorf hinter dem Inn sich zu sammeln, mit der österreichischen 
Kavallerie und Artillerie, die zu ihnen stoßen kann und mit den noch 
rückwärts befindlichen Pontons sich ausrüsteten, wo sie dann, ver- 
sehen mit der k. k. Kavallerie und Artillerie, sehr bald werden tätig 
werden können. 

Übrigens ist die k. k. Armee in der möglichst besten Fassung 
und Stimmung und mit voller Zuversicht können wir eben dasselbe 
von der russischen hoffen, so wie uns, um die erwünschte Vereinigung 
bald zu erlangen, nichts schwer und unmöglich sein wird. 

(Kriegsarehiv, 1805, Deutschland FA, X, 70.) 



Krau ie. 1805, Der Feldzug von Hin 



Zur Erläuterung der Operationspläne. 



Beilage s 



Beabsichtigte Kraftgruppierung und 
Verwendung der Gruppen. 




^ Frankreich urui 
^JVebenlander 



Die ßröße der Truppenzeichen, 
entspricht der Starke der Gruppen 



1 : 12,000.000. 

Verlag von L. W. Seidel & Sohn, k. u k. Hofbaehhä 



v> 1 



Marschtableau der österreichischen Armee. 



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Dislokationstabelle 

der k, k. Amur in Deutschland anter K mundo Seiner königlichen Eoheit des Erzherzogs Ferdinand. 




180S, Der Feldiug 



Dislokation der österreichischen Armee 

nach dem Entwürfe Macks vom 18. September und am 30. September. 



ofl 8 E. (war dein Avantgardekorps unterstellt). 
SecAL/ig&rv 




Beilage 1 1 

>u Seile 195u215 



30. September. 

Truppenverteilung am 30. September. 

Avantgardekorps (27 Baone.. 46 Esk.). 
ekorps (12 Baone., 16 Esk.). 
— .._ Korps Jellachich (21 Baone., 16 Esk.). 
— »x— Korps Kienmayer (19 Baone., 34 Esk.). 

Die übrigen Truppen (50 Baone., 32 Esk.) bildeten die beiden Treffen. 
Von den eingezeichneten Truppen fehlten aber am 30. September nooh: 
Beim Avantgardekorps 6 Baone. von Tuttlingen, Stockacb, Radolfzell. 
bei beiden Treffen . . 20 „ und 16 Esk. 
beim Reservekorps . . 6 „ „ 8 „ 
bei Kienmayer ... 14 „ „ 10 „ 
„ Je llachich ... — „ p 8 „ 
ganzen . . 45 Baone. 42 Esk. 



Da die Ordre de bataille venu 30. September einsoblieBlioh der Garnison von München 130 liaone. und 114 Esk. anführt, 
waren am 30. September tatsächlich nui 84 Baone- und 102 Esk. bei der Armee, u. zw.: 
Avantgarde . . 21 Baone. und 46 Esk. (einschließlich der 8 Esk. in Heehingen) | 

Beide Treffen 30 „ „ 16 „ Diese 84 Baone. und 102 Esk. waren auf 

Reservekorps . 7 „ „8 „ J einem Räume von 220 km Tiefe und 130 km 

Kienmayer . . 5 „ „24 „ Breite verteilt. 

Jellachieh . . 21 „ „ 8 „ 



Im Anmärsche waren noch: a) aus Tirol: Auffenberg 15 Baone., 8 Esk., und die Regimenter Erzherzog Karl und Auersperg, Summe 25 Baone., 8 Esk. 

b) vom Inn: 6 Baone. Grenzer, dann die Regimenter Deutschmeister und Gyulni und 32 Esk. = 16 Baone., 32 Esk. 

c) von Böhmen: 4 Baone. Gemmingen und 2 Esk. 
Oberdies waren noch Im Anmarsch, aber noch nicht in die Ordre de bataille eingestellt: ans Tirol: 5 Infanterie- und 2 Kavallerieregimenter = 25 Baone., 16 Esk. 1 35 Baone.. 

vom Inn: 10 Baone. Grenzer und 16 Esk. / 32 Eik 

Die deutsche Armee bestand daher im ganzen aus 165 Baonen. und 176 Esk. 



I.. W. Seidel Jt Sobn, k. 



KriuM. 1806. Per Feliltiig »on Ulm. 



Skizze des Marsches der Großen Armee von Boulogne bis Ulm und München. 




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- Marsehlinien der Korps. 

des 3., 4. tind 6. Korps nach der ersten Marschdisposition. 
Diese Linien wurden nur von der Division Oudinot (5. Korps) 
und von der Kavallerie Munt« benützt. 



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una von der Kavallerie ! 
■ Situation am 26. September. 
Armeefront am 6. Oktober. 



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1 : 2,250.000. 






Verlag von L. W. Seid«! & 8obn, k. u 



k. ff.-.n.u.-hlifliiJler, Wien. 



1805 i leg i .1.1 



Beilage 13 



Skizze der dem General Savary aufgetragenen Rekognoszierung. 




Der Befehl an den General Savary lantet: 

„Der General Savary wird sicii nach LaDdau 
begeben und von dort nach Germersheim. Er wird 
der Rhein in der Umgebung von Germersheim an 
dem Platze übersetzen, den er am gunstigsten für die 
Herstellung einer Schiffbrfioke liält. Kr wird Philipps- 
burg soweit besichtigen, um einen bündigen Bericht 
über den Zustand des Platzes geben zu können. Er 
wird sieh sodann nach Bruchsal begeben, dann nach 
Tuttlingen; von dort nach Vaihingen Kannstatt, 
Gmünd, Aalen, Giengen und Gandeltingen an der 
Brenz, eine halbe Meile von der Donau. Er wird nur 
bei Tag reisen, 

„Er wird alle Querverbindungen vormerken, 
die vorhanden sind einerseits zwischen dieser Linie 
und der von Durlach nach Ulm über Pforzheim. 
Stuttgart. Elllingen, Göppingen und Geislingen und 
anderseits zwischen der StrafJe, die er durchlaufen 
soll, und einer anderen Linie, ausgehend von Wie^loi h 
über Sinsheim, Heilbronn, Öhringen, Hall, Ellwangen, 
Neresheim nach Dillingen an der Donau. Er wird 
über alle Städte, Orte, Brücken, Schlösser, Höhen, 
Wälder und wichtige Plätze, die er rindet, be- 
richten, über die Entfernungen zwischen ihnen und 
auch welche der Städte. Orte und Schlosser für die 
Unterkunft der Truppen dienen können. Die Enz 
bei Vaihingen, der Neckar bei Kannstatt werden 
seine besondere Aufmerksamkeit verdienen und er 
wird ihre Breite vormerken und erheben, welche 
Schwierigkeiten diese beiden Flüsse dem Übergang 

der Truppen bieten. Er wird auf die Breite der Täler achten und er wird die Entfernung jedes wichtigeren 
Punktes seines Weges vom Schwarzwald oder von dem Gebirge, welches die Täler der Donau und des 
Neckars trennt, vormerken. Er wird die hoste Verbindung zwischen Gmünd und Giengen ermitteln, sei es über 
Heubach und Heidenheim oder über Weinenstein und Langenau. Er wird sie persönlich erkunden, um fest- 
zustellen, welche für den Transport des Bedarfes einer Armee die günstigste ist. 

„Der General Savary wird sodann, indem er ihn selbst besichtigt, den besten Weg ermitteln, der zwischen der oben 
bezeichneten Linie von Philippsburg nach Gundeltingen und einer anderen, von Dillingen ausgehenden Linie, die über 
Neresheim, Hülen, Ellwangen, Hall, Öhringen, Heilbronn, Linsheim, Wisloch nach Speyer führt, vorhanden ist, und zwar so, daß 
der fragliehe Weg gewissermaßen parallel zu den zwei anderen ist. Diese Weglinie, die für Artillerie und Trains benutzbar sein 
müßte, könnte entweder von Aalen über Murrhardt, Löwenstein und Heilbronn oder noch besser von Aalen nach Gmünd und dann 
über Winnenden, Marbacli, Bietigheim, Sachsenheim, Enittlingen und Bruchsal nach Philippsburg führen. Wenn es einen geraden, guten 
und fahrbaren Weg von Giengen nach Gmünd gäbe, wäre er vorzuziehen. In die Gegend von Philippsburg zurückgekehrt, wird General 
Savary das rechte Rhein-Ufer bis Speyer erkunden und sich dann von neuem an die Donau bei Dillingen begeben über Wisloch, Sinsheim, Heil- 
bronn, Öhringen, Hall, Ellwangen, Hülen und Disehingen. Er wird diese Weglinie, ihre Abzweigungen und den Neckar bei Heilbronn genau 
ansehen. Er wird sodann längs der Donau von Dillingen nach Ulm eilen, sich von dort nach Göppingen begeben und dieser Straßenstreoke 
die größte Aufmerksamkeit schenken. Er wird die Verbindungen dieser Stadt mit Gmünd ermitteln und sich sodann über Elilingen und Stuttgart, 
wo er den Neckar abermals besichtigt, über Pforzheim, Durlach nach Mühlburg begeben und den Rhein gegenüber von Pforz erkunden. Sodann 
wird er sich zum Kaiser begeben, wo immer dieser sei. Napoleon" 

(„Correspondanee de Napoleon I.", Nr. 8154.) 



Il.'ilni, lituindler. Wh 



Krams. 1905, Der Feldxtig Tod Ulu 



Gruppierung der französischen Armee am Rhein 



Beilage 14 

zu Seite 221 



nach der ersten Disposition. 



nach der Änderung vom 31. August. 

2. 




Verlag von L W. Seidel & Sobn, k u. k. ITofbiicuhändler, Wien. 



.u,, .805, »er Feu*u g vo» v, a . Djspositionsentwurf vom 15. September. 



Beilage 15 

tu Seite 239. 



^Mannheim. 

Heidelberg 



Wkisstnburg j 



Wiirz."burg 



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'6. Korps 



Strasslm rg« 



5. KOPPS 



* l NordlxngeTV~\^ Met/ürl 



Ulm 



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©/München 



1 : 2,250.000. 



Verlag von L. W. Seidel & Sohn, k. u. k. HofbuctahSndler, Wien 



, 1905, Per FoldKUg von Ulm. 



Marschdisposition vom 17. September. 



Beilage IG 

«u Seite 24L 



|~*"l tä Bereitstellung am Rhein. 
■- Marschlinien der Korpa. 

■ tS Situation, die am 9. Oktober erreicht 
werden sollte. 



o-o Schlechter Weg. 
nicl,ib Freudenstadt 




1 : 2.250.1 l(l(). 



Verlag von L. W. Seidel & Sohn, k u. k. UatUuchuäudier, Wien. 




// 



iKraues, 1805, Der Feldzug von Ulm. 



Disposition vom 20. September. 



Beilage 17 

zu Seit« 24't. 




1 i 2,250.000. 



Vorl«g von h. W. Seidel !t Soho, k. u. k. HofbachhUiidler, Wlei 



I«05, Der FoI.Ung von Ulir 



Situation am 1. Oktober abend. 



Beilage ix 

i> s«it« 266. 



Strassburt)' 



WuMtmivi£li£fi< 




■ Franzosen am 1. Oktober. 

j Bis zum 8. Oktober geplante Vorrückung 

f^^ Otterreicher am 1. Oktober. 



Verlflg vod h. W. Seidel & Sohn, k. n. k. HofbuchhHndler, Wie 



KrttiBi. 1805, Dor Feldzug von ül 



Situation am 5. Oktober abend, 



Beilage 19 

ta fielt« 292. 



Strassburg 




A Beiläufige Situation der Österreicher am 5. Oktober abend 
■ Franzosen am 5. Oktober abend. 

—- > . Voraassinlitlii'lie Miirseliriclihin^en. 



Verlag vou L. W. Seidel & Sohn, k. u. k. Hofbuchhän.ller, Wll 



Kriin 1806, D«r FeMiu| von Uli 



Situation am 6. Oktober abend. 



Beilage 2» 

■11 Seile' :h>9- 



Waldmuitch&v 



Strassbiirg 




X Franzosen am t>. Oktober abend, 
tt Österreicher am 6. Oktober abend. 



. W Seidel & Sohn, k a. k Hofbucbh&ndler, Wien 



Knall. 1806, Dar FeMr.uf roll l In 



Situation am 7. Oktober abend. 



Beilage 21 

in 8»ll» 323. 




Franzosen am 7. Oktober abend. 
Österreicher am 7. Oktober abend 



L. W. Seidel & Sohn. k. o. k. Hufbuohhäortler, Wlt 



1006, De* Foldiug »* 




Das Gefecht bei Wertingen am 8. Oktober 1805. 



Beilage 22 

in S.u. 337. 



Franzosen. 
Aufinarso-h Murats. 



Vorrückungslinien < der 1. Dragonerdivision. 



I , ._ . , I der Husaren. 

J Angnflsricbtungen { , ,, 

\ I der Dragoner 



irlag von I.. W. Seidel & Sohn, k. u. k. Hofbiicttiämller, Wlci 



Krtun. 1806, Der FeMiuf von Ulm 



Situation am 8. Oktober abend. 



Ileilage 23 

ia S.lte 3SS. 



Strassburg 



Waldmiinch&i' 




tl Franzosen am 8. Okiober abend. 
£ l'iaterreieher am 8. Oktober abend 



Verlng von L. \V Seidel k Sohn. k. u. k. Hofbuchh&nctler. Wien 



1805, Der Feltltug von l'lm 



Das Gefecht bei Günzburg 

am 9. Oktober 1805. 



Beilage 24 

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50. UnienregiinentnncliHi 
endigung des Kampfes. 



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Kramt, 1R05, Per FeM/iig van Ulm 



Situation am 9. Oktober abend. 



Beilage 25 

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m Franzosen am 9. Oktober abend. 

m '/» 1 Division des 5. Korps, 

ck 2. E. 2. Kürassierdivision. 

"■-* Endpunkt der Etappenstraße. 

* österreieber am 9. Oktober abend. 



L. W. Seidel Jt 8ohn, k. u k HofbucbhiliKiler, Wien. 



, Der FeMrng von Ulm 



Gefecht bei Haslach am 11. Oktober 1805. ^ 



Beilage 20 

«u Seit« wn. 






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t* Aufstellung der Österreicher bei Ulm (nach Kriegs- 
arohiv 1805, Deutschland FA. X 270). 

*■ Aufmarsch der Division Dupont bei Haslaoh. 

> Erste Angriffe Doponts. 

*" n „ der Österreicher. 

rh Linker Flügel Doponts naoh seinem abgeschlagenen 
Angriff. 



Verlag von L. W. Seidel & Sohn. k. o. k. Hofbucbhandler, Wien. 



Krtuti. 180&, Der Folileuf von Ulm 



Situation am 11. Oktober abend. 



Beilage '.'• 

•n Srlu "113. 



Waj/inliijichxjv 



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L. W. Seidel & Sohn. k. u. k. BofbuchttBudler, Wiei 



Kran«. 1805, Her Folrtmg ron Ulm 



liefecht bei Elchingen am 14. Oktober 1805. 



rii Aafatellang der Österreicher. 

>. Angriff gegen das Rann 1/89. 

— *. liiiekzug. 

► Krste französische Angriffe. 

^. HauptanKriff der Franzosen. 



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Verfolgung. 



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1:25,000. 



Situation am 14. Oktober abend. 



Beilage 29 

«n Seite 487. 



Franzosen. 
■ 2./4. 2. Division de» 4. Korps. 


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ü 4. D. 4. Dragonerdivision. 






* D. z. F. Dragoner zu FuS. 

* Österreicher. 


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Verlas von L. W. 



Soho, k. u- k. Hofbuchhändler, Wlei 



Kranit. 1806, D«r FeliUuf von Diu 



Situation am 17. Oktober abend. 



Beilage 30 

•a S»lle 4B1 . 



3 Baone 
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Strasaburg 




L. W. Seidel & Sohn, k. u. k. Hofbuehh&ndler, Wien. 



1305, Der Felden (r von Ulm. 

Gefecht bei Neresheim am 17. Oktober. 



Beilage 31 




1 : 32.000 . 



Verlag Ton L..W. Seide] i Soho, k. o. k. Hofbucbhäodler, Wie 



Km uii. 1806. Der Felilzug von Uli» 



Situation am 26. (MuImt abend. 



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Beilage 32 

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• 1 Iß. Besatzungen. 



Verlng vou L. W. Sei.lel & Sohn, k. u. k. Hofbuchhän.ller, Wleo. 






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